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Das EES Kult(ur)-Reportarchiv

Hallo Musicalfreunde.

Auf dieser Seite haben Sie die Möglichkeit, alle erschienenen Berichte über deutsche Musical nachzulesen. Um ihnen kurze Ladezeiten zu ermöglichen, haben wir hier auf die Präsentation von Fotos verzichtet. Sie können sich aber über die Links bei den einzelnen Berichten jederzeit Fotos downloaden. Wenn Sie zurück auf den aktuellen Report oder zur Bewertungstabelle möchten, klicken Sie einfach hier.

Mai: ”fifty fifty

  Göttlicher Kiez-Klamauk der 50er Jahre

Bei “fifty fifty” biegen sich selbst die Teenager vor Lachen¶

Hamburg (ees/ksh): Das war wirklich ein köstlicher Abend. Einen Steinwurf weit entfernt vom Abba-Revival “Mamma Mia” hat , mitten auf der Hamburger Reeperbahn, mit “fifty-fifty” ein weiteres Glanzstück musi(c)alisch-komödiantischen Einfallsreichtums seinen Platz gefunden. In “Schmidts Tivoli” hat Corny Littmann eine von Gassenhauern und Gags nur so strotzende Persiflage auf das Deutschland der 50er Jahre geworfen.  Und es soll niemand glauben, dass diese Inszenierung nur etwas für die Jahrgänge 50 und älter wäre. Denn die ersten der minutenlangen Zugabe-Rufe kamen von Besuchern, denen diese Zeit bestenfalls aus Erzählungen ihrer Großeltern ein Begriff ist.

Zugegeben, im Tivoli ist alles etwas anders als in vermeintlich “gängigen” Musicaltheatern. Die Vorstellung soll eigentlich um 20.00 Uhr beginnen, doch sollte zu diesem Zeitpunkt noch an irgendeinem Tisch das Getränk fehlen, wird eben gewartet. Und dies mitunter bis zu 30 Minuten, was aber niemanden zu stören scheint. Es gehört eben zum Kiez, dass hier alles etwas anders sein kann.Doch wenn es dann endlich losgeht und Conferencier Willy Fröhlich (Corny Littmann) die Zuschauer in einen gewagten Spagat zwischen Kitsch, Klischee und Satire einführt, denkt niemand mehr über die Wartezeit nach. Zu sehr reiht sich Gag an Gag, Gassenhauer an gassenhauer und vor allem brillante, komödiantiscxhe Darstellung eines Klasse-Ensembles aneinander.

Martin Lingnau als musikalischer Leiter hat dafür gesorgt, dass Gähnen verpöhnt bleibt. Im Gegenteil, vom Mitklatschen über das Mitsingen bis hin zum Mitstrampeln , werden die Zuschauer in , zugegebenermaßen lose aneinandergereihte,  Zeitszenen, zurückversetzt. Vom ersten Date über die Hochzeit, den ersten Italienurlaub, die Tanzschuletikette und den - damals -. revolutionären Rock´n Roll bleibt kein Auge trocken.Untermalt wird das ganze durch Ohrwürmer des letzten Jahrhunderts. Vom Caprifischer; Itsy Bitsy Teenie Weenie Honolulu Strandbikini; La Li Lu; Hula Baby ; Rote Rosen, Rote Lippen , Roter Wein, für jeden Geschmachk ist etwas dabei.

Doch das Stück lebt nicht von der Musik allein. Denn Littmann hat mit viel Akribie an den Szenen gearbeitet und seinem Hang zum schwarzen Humor freien Lauf gelassen. Absolut “GÖTTLICH” dabei seine “Isetta-Bergpredigt” am Traualtar. Doch was wäre die beste Inszenierung ohne die entsprechenden Darsteller. Littmann hat weitgehend auf Tivoli-erfahrene Kräfte gesetzt. Mit Erfolg, denn was Kathi Damerow, Jens Rainer Kalkmann oder Joe Vicaire da abliefern, ist erstklassig. Stimmlich fehlerfrei, mimisch grandios und mit einer, teilweise unnachahmlichen, Körpersprache versehen, haben eigentlich alle neun Schauspieler das Prädikat Hauptdarsteller verdient. .

Bevor wir allerdings in den Verdacht kommen, hier verdeckte Werbung für den Tivoli zu machen, wollen wir Sie auch warnen. Denn erstens ist die Parkplatzsuche am Kiez hoffnungslos, also lassen Sie Ihr Auto am besten gleich zu Hause und fahren Sie mit der S-Bahn. Und wenn Sie luxoriöse Sessel und entsprechendes Theaterambiente bevorzugen, wird Sie der Tivoli ebenfalls enttäuschen, denn das passt da auch gar nicht hin!

Fazit: Fifty Fifty ist eine vollauf gelungene Persiflage auf die Nachkriegszeit in Deutschland. Dank eines tollen Ensembles und den kreativen Ideen des Regisseur können Sie sich für einen, vergleichsweise, günstigen Preis zweieinhalb Stunden einen richtig schönen Abend einleiten. Bei fifty-fifty werden selbst die Miesepeter eines Besseren belehrt. Also........

    ...........viel Spaß auf dem Kiez!

 

Unsere Bewertung:  4 Sterne                                                 Weitere Informationen zu ”fifty fifty” finden Sie hier. April    ”Jekyll and Hyde”

  Schau in den Abgrund deiner Seele

Jekyll & Hyde: Die Kölner Inszenierung begeistert das Publikum - Echtes "Grusical"¶

von Michael Defrancesco (Rhein-Zeitung) und Jörg Beese (die-musicalkrtitik.de)

Köln (ees): Deutschlands Top-Musical ist wieder da. Nach der Weltpremiere in Bremen und dem Ausflug nach Wien ist “Jekyll & Hyde” mittlerweile am Rhein im Kölner Musical Dome gelandet. Die Premiere der Klasse-Inszenierung hat uns bewogen, die Kritik einmal anders zu gestalten. Wie im Stück werden zwei Seelen ihre Eindrücke des Abends wiedergeben. Michael Defrancesco, angesehener Musicalexperte der Rhein-Zeitung, und Jörg Beese, Chefredakteur von die-musicalkritik.de, geben ihre Eindrücke hier wieder. Analog zur Aufführung haben wir die beiden Meinungen farblich kontrahiert. Viel Spaß mit einer, etwas ungewohnten, Kritik.

Selten zwingt ein Musical den Zuschauer dazu, sich dermaßen mit der eigenen Seele zu beschäftigen. Ein erbarmungsloser Spiegel: In jedem wohnt ein Hyde! Was passiert, wenn er freigelassen wird, zeigt "Jekyll & Hyde" im Musical Dome Köln; zur festlichen Premiere war auch Komponist Frank Wildhorn anwesend.¶

ES ist wieder da! ES, dass uns den Abgrund aufgezeigt hat. Das uns das Gruseln vor uns selbst gelehrt hat. Um ES zu sehen, nehmen wir die 400 km (incl. Stauumleitung) gerne auf uns. Denn ES war es, was dem musicalischen Drama ein neues Selbstverständnis eingehaucht hat. Das MONSTER war nie weg, aber jetzt ruft es nach EUCH..

Dieses Stück lässt keinen Zuschauer kalt. Dr. Henry Jekyll (links; schlichtweg berauschend gespielt von Yngve Gasoy-Romdal) ist ein herzensguter Wissenschaftler, der mittels eines Elixiers das Böse im Menschen vom Guten spalten, anschließend isolieren und dann eliminieren will. Doch: Beim Selbst-Experiment verselbstständigt sich das böse Alter-Ego namens Edward Hyde und plündert mordend durch London.

Eigentlich ist ja alles wie früher. Vor dem Theater (Welcher Stadtplaner hat eigentlich eine solche Konstruktion neben Dom und Hauptbahnhof genehmigt?) empfängt uns die bekannte , gespaltene Maske des Jekyll/Hyde. Auch im Innern erinnert Vieles an die Deutschlandpremiere im Bremer Musical-Theater. Das Foyer in den Farben des Musicals rot-schwarz gehalten. Die Bühne offenbar original aus Bremer Zeiten importiert, wirkt allerdings etwas gedrungener als in der Hansestadt.

Die ganz spezielle Doppelrolle also; der Hauptdarsteller wird quasi vom Regisseur zur Schizophrenie verdammt. Gruseliger Höhepunkt des Stückes: Wenn Jekyll und Hyde sich in einem wilden Streit "gegenüberstehen". Faszinierend, wie Gasoy-Romdal in Sekunden vom flehend-bittenden Guten zum grausamen Bösen switcht.¶

Und da ist er schon. Der Mann, der nun dem Monster zu neuer Popularität verhelfen soll. Jessas, von den schönen blonden Mozart-Löckchen ist nix mehr da. Lange haben wir überlegt, wie der kleine Norweger mit dieser  Rolle wohl klarkommen wird. Jetzt wissen wir es. Denn er ist DER Hyde schlechthin. Gasoy-Romdal ist das Tier, der Mörder, der Abgrund. Mit seiner genialen Körpersprache ist er der emotionale Höhepunkt dieser Inszenierung, in der schauspielerischen Leistung des Edward Hyde bislang zweifellos der beste Darsteller in der Historie dieses Stücks. ALLERDINGS: An der Rolle des Dr. Jekyll sollte der Hauptdarsteller noch gewaltig arbeiten. Er ist gut, keine Frage. Aber die glitzernde, gentlemanlike gestylte,  etws verrückt angehauchte und stimmlich weltklasse intonierte Darstellung DES Dr. Jekyll schlechthin, Ethan Freeman, erreicht er denn doch -noch- nicht.

Anders als in Stevensons Romanvorlage, spielen Frauen eine wichtige Rolle: Lisa, Jekylls Verlobte (beeindruckende Stimme: Nicole Seeger), sowie Lucy (keck: Anna Montanaro), die Jekyll im Rotlichtmilieu kennen lernt.Die Romanze ermöglicht es Komponist Frank Wildhorn, den Gegensatz zwischen dem mordenden Hyde und dem zärtlichen Jekyll herauszuarbeiten und geradezu erfühlbar zu machen. Regisseur Dietrich Hilsdorf verdeutlicht außerdem gekonnt die Zeitlosigkeit des Themas. Viktorianische Kleidung steht gleichberechtigt zu hochmodernem Bühnendesign (fahrbare Bühnenteile sind ständig in Bewegung und beeinträchtigen leider die Tanz-Choreografie); eine teilweise versunkene Sprache steht neben Lasereffekten.¶

Ja da schau her. Die Lisa Carew ist umgezogen. Nicole Seeger (Foto unten links) hat es leicht in der Rolle der Verlobten Jekylls, schließlich spielte sie die Rolle bereits in Bremen. Und genau wie dort spielt sie betont weichherzig, mit einer faszinierenden Stimme und angenehm zurückhaltender Körpersprache. Das genaue Gegenteil ist die Hure Lucy. Anna Montanaro (F. u. rechts) soll ´ja im Rheinland Kultstatus genießen. Aufgrund ihrer Stimme sicherlich berechtigt. Aber manchmal ist weniger auch mehr. Denn in einigen, wenigen Passagen neigt die Montanaro auf der Bühne zur Selbstdarstellung, was der Rolle nur bedingt angemessen ist. Und genau dies ist der Grund, warum Anna Montanaro nicht ganz an die Interpretation der Lucy heranreicht, wie wir sie von  Lyn Liechty bei der Bremer Premiere noch in Erinnerung haben.

Ich ermutige jeden Regisseur, eigene Ideen einzubringen und vertraue ihm dann auch", sagt Frank Wildhorn im Gespräch mit unserer Zeitung. So ist die Kölner Version eine halbe Stunde länger als das Broadway-Original. Was gerade die Action-Freunde im Publikum stören wird, denn die Bonus-Zeit wird ausschließlich dem Seelenleben und der inneren Entwicklung der Protagonisten zugute geschrieben. Aber dennoch: "Jekyll & Hyde" mutet dem Publikum allein wegen seiner erschreckend realistisch gezeigten Morde (verbrennen, erschießen, Kehle durchschneiden etc.) weitaus mehr als andere Produktionen zu; eine musicalische GeisterbahnUmrahmt wird dies von einem opulenten Licht-Festival, wie es selten zu genießen ist. Von Jekylls schier endlos tiefem Labor bis hin zum romantischen Sternenhimmel ist das Stück ein Fest fürs Auge..

Es ist doch wieder ein Genuss. Wie der Hyde in seinem einmaligen Labor zum Leben “erknallt” wird. Wie er den Bischof von Basingstoke verbrennt, oder  in animalischer Pose unter der Bühnendecke hängt. Das Laserfeuerwerk auf der Bühne, die  erstklassige Bühnentechnik, die mit einfachen Mitteln perfekteste Szenenwechsel ermöglicht. Dem Hilsdorf sollte man für diese Regie eigentlich einen rot-schwarzen Orden verpassen.

Hohe Anforderungen also für die Musik, angesichts all dieser tiefen Empfindungen nicht abseits zu stehen. Und da hat Wildhorn einige unsterbliche Melodien geschrieben: "Dies ist die Stunde", eine der schönsten Musical-Balladen überhaupt; kraftvoll und traumhaft gut. Also: "Viel Grusel!"

Da hat doch ein Kollege tatsächlich behauptet, J & H habe keine Ohrwurmqualität??? Manchmal scheinen die Redaktionen ihre Sportreporter ins Theater zu schicken, denn ansonsten kann ich eine solche Meinung nicht nachvollziehen (und entschuldige mich gleichzeitig bei allen pro-musikalischen Kollegen vom Sport). Von “Schafft die Männer ran” über “Jemand wie du” bis hin zu “Da war einst ein Traum” gibt es Ohrwürmer izuhauf. Und dann ist da natürlich die Ballade schlechthin. “Dies ist die Stunde” inspiriert  Yngve Gasoy-Romdal zu einer Weltklasse-Interpretation in der Rolle des Dr. Jekyll, die man sich nicht entgehen lassen sollte. 

Fazit: Jekyll & Hyde ist ein Weltklasse-Musical. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass die kritisierten Rollen und Szenen  auf allerhöchstem Niveau dargeboten werden. Wenn die teuerste Karte der PK 1 nur 85 € (wochentags 69 €) kostet, dann ist dies ein Schnäppchen. Wenn Sie Angst davor haben, möglicherweise auch in Ihre eigenen, seelischen Abgründe zu blicken, dann sollten  Sie J & H dennoch nicht meiden. Denn nur hier zeigt sich für jeden von uns auf eindrucksvolle Weise, wohin das Spiel mit dem Feuer führen kann. Darum wünschen wir Ihnen..........

    ...........einen tierisch gruseligen Abend in Köln!!

 

Unsere Bewertung:  5 Sterne                                                 Weitere Informationen zu ”Jekyll & Hyde  finden Sie hier.

 

März Special   ”Miami Nights”

Happy Birthday Salsa-Fieber 

 Nach einem Jahr Spielzeit steigt das Rythm-Barometer höher und höher - Ende nicht in Sicht

Düsseldorf (ees): Wer hätte das vor einem Jahr gedacht? Da grassierte im Capitol-Theater in Düsseldorf eine Grippewelle, die den Verantwortlichen den kalten Angstschweiß auf die Stirn trieb. Wie soll  ein Musical bestehen, dass schon zur Premiere aus dem, buchstäblich, allerletzten Loch pfeift. Doch mit derselben Klasse, mit der sich das fiebrige Ensemble damals durch die Uraufführung spielte, hat es sich nun zu einem der Topmusical Deutschlands mit einer riesigen Fangemeinde entwickelt. . “Miami Nights” ist ein Selbstläufer, dessen Ende nicht abzusehen ist. Zwar gehen die offiziellen Planungen derzeit nur bis zum Sommer. Doch bei regelmäßigen Besucher-Auslastungen bis zu 100% dürfte eine Verlängerung alles andere als utopisch sein.

 Dabei hatte das Düsseldorfer Team bereits die 100. Vorstellung ausführlich gefeiert . Inzwischen steht die 500. Vorstellung bevor. Und es würde wohl niemanden verwundern, wenn auch diese Zahl noch deutlich übertroffen würde. .Am Erfolg der Geschichte rund um einen Tanzwettbewerb haben neben Regisseur Alex Balga vor allem die Darsteller einen Riesenanteil. Denn gerade beim extrem anstrengenden Tanzmusical wäre es nicht ungewöhnlich, wenn die Darsteller irgendwann in Routine verfallen und sich diese Wirkung auch beim Publikum niederschlägt (siehe Grease in Berlin 2002). Doch davon kann im Capitol keine Rede sein. Hier springt der Funken vom Ensemble sofort auf den Zuschauer über. Bei einem Backstage-Besuch während der Aufführung wurden wir Zeuge, wie hoch die Motivation der Künstler ist. Von Alltagsfrust war nun wirklich überhaupt nichts zu spüren.

Die feurige Mischung aus Pop-Klassikern, heißen Salsa-Rythmen und einer gehörigen Portion Humor besorgt dann den - erfolgreichen - Rest. Nicht umsonst wurde “Miami Nights” zum besten Tanzmusical des Jahres 2002 gekürt, Karin Seyfried zur besten Darstellerin in einem Tanzmusical gekrönt (siehe Sonderseite).Karin Seyfried ist sicherlich ein Glanzpunkt in dem erstklassigen Ensemble. Doch auch Ralf Schaedler hat der Figur des Jimmy in den vergangenen Monaten zu neuem Esprit verholfen und die Wirkung der männlichen Hauptrolle massiv verbessert. Doch was wäre “Miami Nights” ohne Sabine Schreittmiller (Jessica Diamond, und vor allem Paul Kribbe (Roy Fire). Alex Balga hat es verstanden, diesen beiden höchstmarkanten.Rollen zu noch größerer Bedeutung zu verhelfen. Besonders die Figur des Fire hat sich inzwischen zu einem Publikumsliebling der besonderen Art entwickelt. Sein “Hip to be square” reisst jedenfalls auch den letzten Besucher aus seiner Sitz-Lethargie.

Unser Tip: Im Laufe des Jahres ist auch die Preisspanne der Eintrittskarten angeglichen worden. Im Verhältnis zur Konkurrenz ist “Miami Nights” ein Schnäppchen mit integriertem Spaßfaktor. 55,- € für ein Freitagabendticket der Preisklasse 2 ist ein, für deutsche Verhältnisse, günstiger Preis. Und das Ambiente in dem ehemaligen Rheinbahndepot ist durchaus gemütlich, auch wenn die Parkplatzsuche für Ortsunkundige bei der Anreise eine Plage ist. Aber zumindest die Ausschilderung zum Theater hat sich in den vergangenen Monaten deutlich verbessert. Wir können daher einen Besuch bei Miami Nights für Touristen auch am Wochenende empfehlen.

Fazit: Miami Nights wird die deutschen Musicalfans noch eine ganze Weile begleiten (hoffen wir). Hier hat sich eine erfolgreiche Mischung aus motiviertem Ensemble, erfolgreichen Popsongs und heißen Latinorythmen zu einem Selbstläufer entwickelt. Die Weiterentwicklung der vergangenen 12 Monate belohnen wir mit dem fünften Stern. Was Mamma Mia in Hamburg für die Nordlicher darstellt, ist Miami Nights für Nordrhein-Westfalen. Die Crew des Düsseldorfer Capitols hat großen Anteil daran, dass der Musicalmarkt in Deutschland, völlig entgegen der konjunkturellen Entwicklung, boomt. Darum sagen wir.........

    ...........weiter so, solche Musical braucht das Land!!!

 

Unsere Bewertung:  5 Sterne                                                 Weitere Informationen zu ”My Fair Lady finden Sie hier.

Februar  ”My Fair Lady”

Gib acht, Henry Higgins, gib ja nicht auf, Henry Higgins  

 Helmut Baumann verleiht dem Klassiker ein glänzendes Comeback im Bremer Musicaltheater

Bremen (toh): Lange  war es ruhig geblieben im Bremer Musicaltheater am Richtweg. Nach der Pleitepolitik des alten Managements, die letztlich zum vorzeitigen Ende von “Jekyll and Hyde” sowie “Hair” geführt hatte, schien das Ende eines der modernsten und schönsten Musicaltheater Deutschlands nah. Doch der maroden Bausubstanz des Bremer Goethe-Theaters sei Dank - seit dem 14. Dezember wird die Bühne wieder mit Leben gefüllt. Und wie, denn angeführt von Regisseur und Hauptdarsteller Helmut Baumann (Henry Higgins) sowie einer glänzenden Ruth Bauer als Eliza Doolittle an seiner Seite können sich die Zuschauer zweieinhalb Stunden lang köstlich amüsieren und unterhalten. Lediglich die Probleme, die das neue Personal offensichtlich noch mit der modernen Bühnentechnik hat, trüben den Gesamteindruck der Inszenierung.

Es ist nicht überliefert, wie oft der Klassiker um das einfache Blumenmädchen Eliza mittlerweile auf die Bretter gebracht wurde, die die Welt bedeuten. Bereits 1955 erzählte Frederick Loewe zum erstenmal die Geschichte des biederen Professors Henry Higgins, der Eliza zu einer Dame der gehobenen Gesellschaft “heranzüchten” wollte. Nicht zuletzt dank der Verfilmung mit Audrey Hepburn und Rex Harisson dürfte der Stoff des Musicals wohl den meisten der, zugegebenermaßen etwas älteren Zuschauergeneration, bekannt sein.

Helmut Baumann der für seine kritische Haltung gegenüber den neueren “Unterhaltungs- und Partymusicals” bekannt ist, hat mit viel Witz und Charme “My Fair Lady” eine eigene Note verpasst. So schwankt die Figur des Higgins bei ihm zwischen Arroganz und Überheblichkeit, mit einer sehr persönlichen Note. Wirkt er wesentlich härter, so ist die Rolle des Oberst Pickering ( Erwin Wirschaz) umso emotionaler und ausgleichender besetzt als beispielsweise im Film.

Der eigentliche Star des Stücks ist aber eindeutig Ruth Brauer Eine so umjubelte Eliza hat es wohl nur selten beim Schlussvorhang gegeben. Ein göttlicher Akzent, eine großartige Mimik und gesanglich hochanspruchsvoll ist sie aus der  gesamten Inszenierung nicht wegzudenken. Allerdings hatte auch sie mit den Problemen zu kämpfen, die der Toningenieur offenbar mit der Technik hatte. Denn genau wie beim Licht wirkte die Tonregie in vielen Situationen laienhaft, um es mal vorsichtig auszudrücken.

Doch das übertünchte ein erstklassiges Ensemble, in dem ansonsten vor allem Jochen Schmidtke (Freddy) und Dagmar von Thomas ( Mrs. Higgins) herausragen. Insgesamt hat Helmut Baumann mit bewährten Kräften wieder eine Crew auf die Bühne geschickt, die den Funken auf den Besucher übersprühen lassen.

Unser Tip: Bremens Richtweg ist wieder mal eine Reise wert. Leider wird “My Fair Lady” nur etappenweise gespielt, zeitweise sogar im Wechsel mit dem, ebenfalls ganz hervorragenden “Cabaret”. Informieren Sie sich auf alle Fälle über die verschlungenen Termine auf der Homepage des Bremer Theaters.. Sie können aber sicher sein, dass ihr Geld dort gut angelegt ist. Und sie ist auch etwas für die jüngeren Zuschauer, die ansonsten vielleicht eher “Mamma Mia” oder “Miami Nights” huldigen. Spaß hat hier jede(r).

    Fazit: Eine “kleine, aber feine ” Inszenierung, die der, sich immer weiter entwickelnden, Musicallandschaft Deutschland gut zu Gesicht steht.  Wenn auch die Techniker ein paar Nachhilfestunden nehmen, hat Bremen vielleicht bald wieder ein 5-Sterne Musical anzubieten., .Allerdings sollten sich die Darsteller bei so viel Begeisterung ruhig etwas länger dem Publikum zum Schlussapplaus stellen.

 

Unsere Bewertung:  4 Sterne                                                 Weitere Informationen zu ”My Fair Lady finden Sie hier.

Januar   ”Das Phantom der Oper”

Rückkehr mit Charisma 

 In neuer Umgebung blüht das ”Phantom” wieder auf / In Stuttgart ist es auch zu verstehen / Teure Tickets

Stuttgart (mbt): Die knapp eineinhalbjährige Pause hat gereicht, um einen  Musical-Klassiker wieder zu neuem Esprit zu verhelfen. Dabei wurden dem “Phantom der Oper” nicht, wie sonst üblich bei Andrew Lloyd Webber, zwei oder drei neue Kompositionen verabreicht und das Bühnenlicht neu drapiert. Nein, die Stage Holding, die die insolvente und nicht gerade Bühnenatmosphäre versprühende Stella Entertainment übernommen hat, hat ein viel einfacheres, aber erfolgreicheres Konzept angewandt. Sie hat mit dem Theater im SI-Centrum eine passende Location für den Klassiker gefunden und mit hochmotivierten und gut verständlichen Schauspielern ein harmonisches Ensemble geschaffen, dass sich die Schlussovationen reichlich verdient. Es wäre schade, wenn, wie viele spekulieren, Stuttgart Ian Jon Bourg nur als “Übergangsgespenst” erleben würde.

Nach dem Kraftakt mit der Übernahme von fünf Stella-Theatern ist es sicherlich wirtschaftlich verständlich, wenn die Stage Holding zunächst einen Klassiker in die Landeshauptstadt geholt hat, der sicherlich genügend Ausstrahlungskraft hat, um einen gehörigen Batzen des investierten Kapitals wieder hereinzuholen. Doch die Qualität der Inszenierung lässt sicher noch eine längere Spielzeit zu. Und auch bei der Stage scheint man nicht abgeneigt, .dem Wunsch vieler Zuschauer nachzukommen. Schließlich hatte man im Herbst die eigentlich abgeschlossenen Auditions nochmals neu überdacht und das Personalkarussell nochmals in Bewegung gesetzt.

Davon profitierte vor allem die Rolle des Raoul. Michael Lewis, schon in “Elisabeth” ein absoluter Hauptgewinn als Kaiser Franz-Josef, verschafft der Rolle des Phantom-Gegenspielers einen Glanz, den man in Hamburg lange Zeit nicht erlebt hatte. Den besten Vergleich mit der Inszenierung in der “alten” Neuen Flora gestaltet aber der Hauptdarsteller persönlich. Denn in der Hansestadt konnte sich Ian Jon Bourg (Foto, links)noch so sehr bemühen. jenseits der 12. Sitzreihe war es mit der Verständlichkeit vorbei. Dies ist im SI-Centrum anders, hier überträgt sich seine  elegant-diabolische Ausstrahlung auch stimmlich bis in die letzten Reihen.

Bislang eher ein unbeschriebenes Blatt in der deutschen Musical-Szene war Janine Kitzen als Christine (F.l. mit Ian Jon Bourg). Sie markiert in der düsteren Atmosphäre des Stücks einen warmherzigen Widerpart, untermalt mit einer wunderschönen Stimme. Doch auch die weiteren Rollen wurden zur Zufriedenheit des Besuchers besetzt. Marco Woytowicz setzt mit seiner amüsant gespielten Rolle des Theaterbesitzers Akzente, die man in dieser Form beim Phantom nicht gewohnt war, die dem Stück aber insgesamt guttun.

Das Bühnenbild wurde weitgehend aus den früheren Inszenierungen übernommen, ebenso die Bühnentechnik und der, nicht zu vermeidende, Trockeneisnebel. Auch die Highlights haben sich nicht verändert, In den “Ohrwurmszenen” wie “Phantom der Oper”, “Musik der Nacht” oder “Maskenball” (s.r.) findet sich der Zuschauer schnell in altbekannten Terrain wieder, Mitsingen (oder -summen) inclusive.

Bei aller Freude über die gelungene Inszenierung. Einen Vorwurf muss sich die Stage Holding machen lassen.Denn es ist nicht nachvollziehbar, warum “Das Phantom der Oper” die, sieht man mal vom “König der Löwen” ab, teuersten Eintrittspreise aller Stage-Produktionen in Deutschland verlangt. Sicher, die Qualität ist gut. Aber Inszenierungen wie “Titanic” oder “Elisabeth” sind qualitativ  besser. Da ist ein Preis von über 106 für die teuerste Karte  schwer zu vermitteln. Hier sollte man in der Hamburger Firmanzentrale nochmals seine Preispolitik überdenken.

Unser Tip: Wie wäre es mal mit einem “musicalischen” Kultur-Schock? Wenn Sie über das nötige Kleingeld verfügen, besuchen Sie doch mal an einem Tag zwei qualitativ hochwertige Musical. Schließlich sind die “tanzenden Vampire” gleich gegenüber zu Hause. Aber planen Sie Ihren Besuch beim “Phantom” detailliert, wollen Sie sich die gute Laune hinterher nicht durch horrende Abrechnungen vermiesen lassen.

    Fazit: Die Auffrischung hat aus dem Ladenhüter wieder einen Klassiker gemacht. Allerdings sollte man auch bei der Stage Holding nicht übersehen, dass der Geldbeutel nicht mehr so locker sitzt wie früher. Das Rad der  Eintrittspreise langsam wieder in Richtung der früheren, horrenden Stella-Preise hochzudrehen, wäre wohl ein falsches Signal. Im SI-Centrum trübt es den Gesamteindruck jedenfalls erheblich.

 

Unsere Bewertung:  4 Sterne                                                 Weitere Informationen zu ”Phantom der Oper”  finden Sie hier.

Dezember: Premierenkritik  ”Titanic”

Schiff ohne Wiederkehr

 Mit ”Titanic” hat Hamburg eine musi(c)alische Triangel inthronisiert

Hamburg (ees/hbg): Jetzt darf sich Hamburg wohl endgültig die Musical-Hochburg Deutschlands nennen. Die Hansestadt hat nach dem märchenhaften “König der Löwen”und dem rockig-komödiantischen “Mamma Mia” mit “Titanic” nun auch einen dramaturgischen Höhepunkt anzubieten. Das mit fünf Tony Awards ausgezeichnete, 1997 in New York uraufgeführte Musical, besticht in der deutschen Inszenierung durch sein perfektes Bühnenbild, chorastische Kompositionen und ein überdurchschnittliches Ensemble. Die “Neue Flora” bietet zudem nach seinem Umbau dem Besucher den optimalen Rahmen. Der Gesamteindruck übertüncht daher auch einige Schwächen des Stücks .

Etwas überrascht waren wir schon, als uns vor wenigen Wochen die Pressemitteilung erreichte, dass mehrere Previews vor der angesetzten Premiere abgesagt wurden und Stage Holding Star-Regisseur Eddy Habbema kurzfristig aus den Niederlanden eingeflogen wurde, um das Kreativ-Team zu unterstützen. Den Grund kann man in der Inszenierung wiederfinden. Denn da findet sich besonders im zweiten Akt die unverkennbare Handschrift des Mannes wieder, der schon so vielen Musicals von Stage Holding Director Joop van den Ende seinen faszinierenden Stempel aufdrückte. Um es vorweg zu nehmen: Der zweite Akt übertrifft den ersten um Längen, gehört in dieser Form sicher zum Besten, was die europäische Musical-Szene  zu bieten hat.  .

Im ersten Akt ist dagegen der Broadway- Einfluss nicht zu übersehen. Offenbar haben auch die Verantwortlichen der produzierenden Stage Holding   gemerkt, dass der vom Ursprungs-Regisseur Daniel Stewart angedachte Handlungsablauf dem deutschen Publikum nur schwer zu vermitteln ist. Zu sehr wird hier das Klischee des steifen Engländers bemüht, zu wenig auf die Schicksale und Charaktere der einzelnen Rollen eingegangen. Hier fehlt dem Stück oftmals das Feuer und die Spannung. Die bekommen die Zuschauer erst nach der Pause geboten, dann aber mit allem, was das Musicalherz höher schlagen lässt.

Die Handlung orientiert sich  an der Realität. Der erste Akt ist geprägt von der Darstellung des monumentalen Atlantik- Liners. Er zeigt, untermalt durch eine perfekte Bühnentechnik und ein grandioses Bühnenbild, den Weg der Titanic bis hin zur Kollision mit dem Eisberg. Und er stellt die wichtigsten Handlungsakteure vor, ohne diese allerdings  dem Publikum besonders nahe zu bringen. Dies ändert sich erst im zweiten Akt, der die Geschichte der Evakuierung der Frauen und Kinder sowie den Untergang, dramaturgisch auf höchstem Niveau darstellt, ohne dabei in übertriebenes Pathos und Gefühlhascherei auszubrechen.

Das Bühnenbild besticht durch eine aufzugsartige Bühne, die es ermöglicht, bis zu drei Decks der Titanic gleichzeitig ins Bild zu rücken. Beklemmend die käfigartigen Aufgänge des schiffs, in durch die die Passagiere der dritten Klasse vergeblich versuchen, ans Oberdeck zu gelangen. Hier schnürt es dem Zuschauer den magen zu, wenn man sich vorstellt,dass es beim Untergang des Luxusliners wirklich so geschehen ist. Ein überdimensionales Bullauge sowie diverse technische Feinheiten und Effekte versetzen den Betrachter jederzeit direkt in das Schiff hinein. Dieses Gefühl bekommt man übrigens auch schon beim Betreten des neu gestalteten Foyers. Während dort warme Terrakotta-Farben das alte Bahnhofshallenniveau abgelöst haben, erinnern die zahlreichen Geländer und räumlichen Anordnungen stark an die Aufbauten der alten, luxoriösen Transitschiffe.

Womit wir bei den Darstellern wären. “Titanic” glänzt mit vielen, dem Stück angemessenen, tragenden Rollen. Allen voran der Kapitän E.J. Smith. Michael Flöth   ist die Paradebesetzung des Schiffsführers schlechthin. Der preisgekrönte Opernsänger besticht durch seine natürliche Autorität, seine Stimme und seine absolut unaufgesetze Gestik. Neben ihm glänzt besonders Patrick Stanke als Heizer Barrett, der sich die Ovationen des Publikums reichlich verdiente. Das “Buhrufe” auch positiv gemeint sein können, erfuhr beim Schlussapplaus Robin Brosch. Denn der an Gandhi erinnernde Kahlkopf verkörpert die Rolle des Schiffsbesitzers J.Bruce Ismay so perfekt, dass er mit dem vermeintlichen Unsympathen gleichgesetzt wird. Carsten Lepper (Schiffskonstrukteur Thomas Andrews) bringt seine Fähigkeiten erst im 2. Akt richtig zum Tragen, besonders in der Funkraumszene und seiner anschließenden “Fehleranalyse”, kurz vor dem Untergang, überträgt sich bei ihm wieder der Funken, den er bereits als Luccheni in “Elisabeth” beim Publikum auslösen konnte. 

Aber auch die vermeintliche 2. Reihe des Ensembles hat einiges zu bieten. Allen voran Jasmin Madwar als Kate McGowan und Leon van Leeuwenberg als Stuart 1. Klasse Henry Etches. Robert Lenkey und Marina Edelhagen als Ehepaar Strauss sowie Jens Janke als Funker Harold Bride komplettieren die Liste der hervorstechenden Darsteller im “Titanic”-Ensemble, dass aktuell sicher eines der besten an einem europäischen Theater ist.

Unser Tip: ”Qualität hat ihren Preis. Billig ist ein Besuch bei Titanic nicht. Wenn Sie aber statt der Preisklasse 2 die dritte PK wählen, sparen Sie immerhin 20 €. Dies ist umso erwähnenswerter, weil die Plätze im Rang und auch an den Seiten recht gute Sicht und Hörmöglichkeiten bieten. Wer aus der Umgebung kommt, sollte sich diese Tickets wochentags für 39 € schnellstens sichern, denn zu diesem Preis ist “Titanic” ein Schnäppchen.

    Fazit: Eigentlich müsste aufgrund der verbesserungswürdigen Szenen im ersten Akt die Bewertung auf vier Sterne lauten. Da sich mit dem hervorragenden Bühnenbild, dem Ensemble , dem neugestalteten Theater sowie dem grandiosen zweiten Akt soviele Pluspunkte angesammelt haben, müssen wir “Titanic” einfach als viertes 5-Sterne Musical des Jahres 2002 präsentieren.

Dieses Musical wird bestimmt nicht untergehen! .

Unsere Bewertung:  5 Sterne                                                  Weitere Informationen zu ”Titanic” finden Sie hier.  

 

November ”Vom Geist der Weihnacht”

Das schönste Weihnachtsgeschenk.....

 Ethan Freeman an der Spitze eines Klasse-Ensembles in Charles Dickens´ Weihnachtsgeschichte.

Berlin (ees): Jetzt hat Berlin doch noch, rechtzeitig zur Weihnachtszeit, ein Erste-Klasse-Musical bekommen. Nachdem die angegrauten “Cats” im Theater am Potsdamer Platz allmählich ihre grauen Haare vermehren, präsentiert sich ein paar Kilometer entfernt im Theater des Westens ein absoluter Leckerbissen. Mit “Vom Geist der Weihnacht” erfährt Berlin, genau wie Köln, eine wunderschöne musicalistische Umsetzung eines Klassikers von Charles Dickens. “A Christmas Carol”, die Geschichte des hartherzigen Geldverleihers Scrooge, wurde von Autor Michael Tasche, Komponist Dirk Michael Steffan und Regisseur Jürgen Schwalbe so einfühlsam in Szene gesetzt, dass es mit seinem anrührenden Charme ein wunderbares Weihnachtsgeschenk für alle Besucher sein dürfte.

Nach dem Erfolg, den “Vom Geist der Weihnacht ”  nach der Uraufführung vor einem Jahr in Oberhausen hatte, wurden die Produzenten zu einem ungewöhnlichen Schachzug inspiriert.  “Vom Geist der Weihnacht” gibt es ab sofort zweimal. Zum einen im Kölner Musical Dome, zum anderen im,  aufgrund seiner Atmosphäre besonders geeigneten, Theater des Westens in Berlin. Beide Inszenierungen sind identisch, werden aber  von zwei verschiedenen Ensembles gespielt. Den Vogel schoss dabei Berlin ab, dass mit Ethan Freeman (Foto links, m. Günter Barton als Marley) in der Rolle des Scrooge einen Volltreffer gelandet hat. Nach seiner Glanzrolle des Dr. Jekyll und dem “Übergangsdasein” als Leopold Mozart hat Freeman nun wieder eine Rolle, die für seine stimmlichen Fähigkeiten maßgeschneidert ist. Er ist das I-Tüpfelchen in einem Ensemble, dass mit seiner Lockerheit und seinen erstklassigen Stimmen selbst Mikrofonausfälle bei der Premiere  übertünchte und das Publikum zu Ovationen hinriss, die noch lange nach Öffnung der Türen andauerten.

Die Geschichte von Charles Dickens gibt zunächst Einblick in die hartherzige Welt des Geldverleihers Abenezer Scrooge. Erst, als ihm sein vor 20 Jahren verstorbener Partner Marley (Günter Barton) als Geist erscheint und ihn, unterstützt von einem Engel (Vaile; Foto unten) , bei einer Reise durch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft begleitet, erkennt der Unsympath sein eigentlich unbefriedigendes Dasein und wandelt sich zu einem weichherzigen Menschenfeund.

Die Handlung wurde von den Autoren in abwechslungsreicher Szenenfolgeanrührig,  amüsant und nachdenklich in Bilder umgesetzt. Das Ensemble versteht es meisterhaft. Gefühle beim Publikum zu wecken. Ein besonderes Lob gebührt dabei nicht nur den Hauptdarstellern, sondern beispielsweise auch Nils Jörissen, der als Timmy Cratchit mit der  unbeschwerten Darstellung des Sohnes von Scrooge´Buchhalter zu einem der Publikumslieblinge avancieren dürfte. Oder Olaf Kreutzenbeck und Witta Krüger, die als Ehepaar Fezziwig (Foto links) bei ihrem , in jeder Hinsicht opulenten, Weihnachtsmahl Sonderapplaus des Publikums einheimsen durften.

Das Bühnenbild beeindruckt durch seine, der Handlung angepasste, Einfachheit. Eine Leinwand in Form eines rotierenden Großmastsegels ist dabei Hauptrequisit. In Verbindung mit den anspruchsvollen Lichteffekten ergibt sich eine optimale Untermalung der darstellerischen Leistungen. Und die Ohrwurmqualität ist hoch, selbst den Darstellern ist der Spaß an der Umsetzung von Dirk Michael Steffans Kompositionen anzusehen.

Unser Tip: ”Vom Geist der Weihnacht” läuft nur bis zum 29. Dezember. Wenn Sie schon in Weihnachtsstimmung sind oder schnellstens hineinkommen möchten, dann sollten Sie sich mit einem Besuch beeilen. Man muss kein Prophet sein, um beiden Theatern in den kommenden Wochen volle Häuser zu prognostizieren. Für dieses zauberhafte Märchen-Musical lohnt sich eine Reise.  Zumal das Einzugsgebiet, dank der zwei Austragungsorte, in diesem Jahr doppelt so groß ist wie 2001.

    Fazit: Berlin und Köln dürfen sich glücklich schätzen. Sie sind derzeit im Besitz eines Musicals, dass von Herzen kommt und zu Herzen geht. “Vom Geist der Weihnacht” ist keine kommerzielle Massenproduktion, sondern ein Märchen, dass mit viel Kreativität in Bild und Ton umgesetzt wurde. Vergleichen Sie es aber bitte nicht mit der Neuverfilmung, in der Bill Murray den Scrooge darstellt. Das wäre ein Fehler, denn..........

............dafür ist diese liebevolle Musical-Inszenierung viel zu gut .

Unsere Bewertung:  5 Sterne                                                  Weitere Informationen zu ”Vom Geist der Weihnacht” finden Sie hier.

 

November Special:  ”Mamma Mia”

Abba - Thank you for the music(al)

Mitreißendes Ensemble versetzt die Zuschauer mit der deutschen Version der Evergreens in Ekstase

Hamburg (ees): Wieder einmal müssen sich die klassischen Musical-Skeptiker eines Besseren belehren lassen. Was hatten Sie nicht geunkt, eine deutsche Übersetzung der Abba-Kultsongs der 80er Jahre , noch dazu in Musicalform, wäre von Vornherein zum Scheitern verurteilt. Die glanzvolle Premiere und der anschließende Run auf die Tickets geben der Stage Holding recht. Die Mischung aus Ohrwürmern, Comedy und erstklassiger Besetzung dürfte dem generalüberholten Operettenhaus Hamburg zu neuem Leben verhelfen. Das kann auch die seicht gestrickte Handlung nicht verhindern. Ein Problem haben die Theaterbetreiber allerdings nicht in den Griff bekommen. Trotz hoher Umbauinvestitionen gibt es im Theater, gerade bei vollem Haus, immer noch einige der alten Mängel festzustellen.

Fangen wir bei unserem Bericht also ausnahmsweise mit den - wenigen- Unannehmlichkeiten an. Da wären zum einem die, immer noch, reltaiv geringen Sitzabstände, die Großgewachsenen doch einige Probleme, gerade im Rangbereich, bereiten dürften. Und die vielen Dehn- und Streckbewegungen der Gäste in den Sitzen deuten auch nicht unbedingt auf die orthopädisch wertvollste Sitzarchitektur hin. Das Hauptproblem betrifft aber nach wie vor die sanitären Anlagen. Vielleicht wurden die Verantowrtlichen ja von dem riesigen Andrang überrascht, aber wenn nach 20 Minuten Pause immer noch eine lange Schlange vor dem Damen-WC wartet, dann besteht hier    Nachbesserungsbedarf. Gelohnt haben sich die sonstigen Investitionen ins Theater auf alle Fälle. Eine wohlige Atmosphäre erfasst den Besucher  wenn er das liebevoll ausgestatte Foyer durch die neugestaltete Eingangsfront betritt. Auch der Saal wurde farblich aufpoliert, und wenn die Sitzqualität den Stoffen entsprechen würde, könnte das eigene Wohnzimmer kaum gemütlicher gestaltet werden. Die Bühne besteht aus zwei einfachen, beidseitig verwendbaren Hausmauern, die, von wenigen Requisiten umrahmt, perfekt in die Handlung eingebunden wurden. In altbewährter  Stage-Qualität auch die Lichtregie, die mit ihren Effekten auch das Auge fasziniert.

Catherine Johnson und Judy Cramer haben die schwierige Aufgabe, eine Handlung aufgrund bestehender Kompositionen zu schreiben, mit Bravour gemeistert. Aus über 90 Abba-Titeln wählten sie letztlich 22 Titel aus, die in entsprechender Reihenfolge die Geschichte von Donna (Carolin Fortenbacher; Foto Mitte) und ihrer Tochter Sophie (Katja Berg) erzählt. Die Geschichte selbst, nämlich die Suche einer Tochter nach ihrem Vater, der aus drei Kandidaten ausgewählt werden müsste, ist dabei eigentlich Nebensache. Der Clou der Inszenierung ist die perfekte Aneinanderreihung der Songs, untermalt von einer komödiantischen Vielfalt (besonders im 1. Akt). Der Zuschauer kommt aus dem Klatschen, Mitsingen oder Lachen kaum heraus. Erst im 2. Akt kommen auch vermehrt besinnliche, kitschig angehauchte, Handlungen zum Vorschein.

Doch das alles wäre nichts, wären da nicht die Ohrwürmer wie Dancing Queen, Mamma Mia, Souper Trouper, Chiquitita und und und.... . Ach übrigens: Ein Titel gibt es doch auf Englisch. Den allerletzten. Welcher das ist? Raten Sie doch mal, welcher Abba-Superhit nicht in eine solche Handlung passen würde. Wir wollen hier ja auch ein wenig Spannung erhalten! Und was wären die Titel ohne diejenigen, die sie auf der Bühne vortragen. Herbert Grönemeyer wird es verschmerzen, aber bei Mamma Mia spielen die Frauen die Hauptrollen. Allen voran Carolin Fortenbacher. Wie eine Furie stürmt sie phasenweise durchs Musical, begeistert mit ihrer tollen Stimme und ihrem komödiantischen Talent. In Letzterem wird sie aber noch von einer Kollegin übertroffen. Kerstin Marie Mäkelburg (linkes Foto), bislang hauptsächlich den Gästen von Schmidts Tivoli, gleich in Nachbarschaft zum Operettenhaus, bekannt, ist als “Tanja” der heimliche Star der Inszenierung. Es wäre zu schade, wenn diese geniale Komikerin mit ihrer feurigen Ausstrahlung nach einem späteren Ausscheiden bei Mamma Mia dem Musicalstandort Deutschland nicht erhalten bliebe. Bliebe noch Katja Berg als Spohie, die bei ihrem Auftritt in “Wetten Dass” noch ein wenig nervös und piepsig wirkte. Doch ihr damaliger Auftritt wird ihrem Können auf der Bühne nicht gerecht. Eine erstklassige Darstellung würzt sie mit einer schönen Stimme und vor allem mit ihrer Ausstrahlung. Man merkt Katja an, dass ihr die Rolle Freude macht. Und genau diese Freude überträgt sie durch ihre Unbekümmertheit auch auf die Zuschauer. Hier wächst sicherlich etwas für die Zukunft heran.

Die Herren der Schöpfung verblassen  hinter diesem Damen-Trio . Frank Logemann (Sam) tritt noch am ehesten aus dem femininen Schatten. Sophies zukünftiger Gatte Sky (Jörg Neubauer) leidet etwas unter seiner zu passiven Rolle. Cusch Jung (Harry) und Ulrich Wiggers (Bill) sind schwerpunktmäßig für den Bereich Humor zuständig und erfüllen diese Aufgabe anstandslos.  Im übrigen lebt “Mamma Mia”  von einem Klasse-Ensemble, dass mit verständlichen Stimmen und perfekter Choreographie (Super: Das Taucher-Balett) einen Riesenanteil am Erfolg der Inszenierung hat.

Unser Tip: Das Preisgefälle bei Mamma Mia lässt Schnäppchenjäger jubeln. In der PK 2 können Sie “Mamma Mia” von Dienstag bis Donnerstag für 59 € verfolgen. Das haben bereits viele genutzt, denn aktuell sind sogar die meisten Dienstage restlos ausverkauft. Da die Sicht im Operettenhaus  gut ist (vermeiden sie allerdings im Rang die oberen, seitlichen Sitzplätze: Sichtbehinderungen!), können Sie sich auch die weiteren, niedrigeren Preisklassen sichern. Wenn Sie Mamma Mia bald sehen wollen, müssen Sie sich allerdings beeilen. Den die besten Plätze werden wohl bald schon langfristig vergeben sein.

Fazit: “Mamma Mia” ist eine gelungene Fortsetzung des Trends, Hin zum Comedy-Musical, den “What a feeling” in  Bonn 2002 eingeleitet hat. Alles, was man sich an einem unterhaltsamen Abend vorstellt, wird hier geboten. Die kleinen Schönheitsfehler spielen da eine untergeordnete Rolle, im Operettenhaus werden Sie vor allem eines finden..............

.........Viel Spaß

Unsere Bewertung: 4 Sterne                                         Mehr Informationen zu Mamma Mia finden Sie hier

Oktober-Special  ”Cats”

Der Katzenjammer hat uns wieder

 Trotz aller Bemühungen der Stage Holding: Der Klassiker ist ein Auslaufmodell.

Berlin (ees): Joop van den Ende und Maik Klokow haben sich alle Mühe gegeben,  dem Lloyd Webber- Klassiker “Cats” nochmal zu neuer Auferstehung zu verhelfen. Doch das weder der Chef noch sein deutscher Manager Wunder bewirken können, zeigt sich an der Neuinszenierung im Berliner Theater am Potsdamer Platz. Zwar hat das Theater einen völlig neuen Charme und sogar eine gewisse Gemütlichkeit durch die Renovierungsmaßnahmen erhalten. Und auch der zweite Akt zeigt deutlich die theaterliebende Handschrift der Stage Holding Theatre Company. Doch zu einer guten Gesamtinszenierung gehört eben auch der erste Akt, und der fiel bis auf wenige Höhepunkte, eher durch Langatmigkeit und - phasenweise- sogar Langeweile auf. Daran konnte leider auch ein motiviertes, gutes Ensemble nicht viel ändern.

Back to the roots ”, lautete das Motto der Produzenten für die Berliner Neuinszenierung. Vielleicht wäre eine Mischung besser gewesen, denn während das Bühnenbild und die Beleuchtung klar verbessert wurden, fehlt der Handlung - wohlgemerkt im ersten Akt - der Drive. Auch der Einbau der neuen Rolle der Katze “Electra” (zufällige Namensgleichheit zur Starlight-Lok ??) bringt das Stück zunächst nicht weiter. Gillian Lynne hat zwar eine eindrucksvolle und grazile Choreographie einstudiert. Doch die tänzerische Darstellung einzelner Charaktere, dies zeigt der zweite Akt, verlangt von einer modernen Inszenierung eben ein gesundes Verhältnis zwischen Melodie , Tanz und unterhaltender Handlung. Und genau dieses Verhältnis ist in den ersten, rund 80 Minuten, phasenweise gestört. Denn nach der , mit Verlaub, nervtötenden Ouvertüre hätten ein paar zusätzliche Akzente, zum Beispiel für den Rum Tum Tugger, Mungojerrie oder Rumpleteazer dem Stück sicher gut getan.

Dennoch wollen wir die Berliner Inszenierung nicht schlecht reden. Denn Vieles hat sich auch zum Guten verändert. Besonders die Verbesserungen am Theater stechen sofort ins Auge. neben einem wesentlich einladenderen Foyer fällt besonders der mittlerweile richtige Theateratmosphäre ausstrahlende Saal ins Blickfeld. Die bis in den ersten Rang hochgezogene Bühne in Form des dreidimensionalen Müllbergs lässt den ehemals riesigen, nüchtern erscheinenden Aufführraum vergessen. Die tänzerische Leistung der Künstler ist ebenso hoch einzustufen, für die Längen können sie am allerwenigsten. Und der zweite Akt gleicht die enttäuschenden Teile der Anfangssequenzen wieder aus, ohne sie vergessen zu machen. Besonders die überarbeitete letzte Schlacht von “Growltiger” ist ein mitreißender Einstieg in ein hochqualitatives Finale, dass in Grizabellas Berufung zu einem neuen Katzenleben mündet. Doch auch die Auftritte des Magier Mistoffelees und des Gauners Macavity haben es in sich. Zumal auch die Darsteller das beste aus ihren Rollen herausholen.

Das sind in erster Linie Cornelia Drese (Grizabella) und Jeff Shankley (Growltiger/Bustopher Jones/Asparagus) zu nennen. Zwar reicht die Drese stimmlich nicht an eine Angelika Milster heran, doch ihr Ausdruck vermittelt beim Zuschauer genau das Mitleidgefühl, dass ihre Rolle letztlich auch erreichen soll. Und Shankley strahlt trotz seiner altersbetonten Rollen eine Energie aus, an deren Ausstrahlung kaum einer seiner männlichen Kollegen heranreicht. Doch auch Markus Giess (Mungojerrie),  Roimata Templeton (Rumpleteazer) oder John Partridge (Rum Tum Tugger/ s. Foto rechts)) spielen ihre Rollen stark, leiden aber (s.o.) unter der Ägide des Autors.

Unser Tip: Die Berliner Version von “Cats” ist zu relativ erschwinglichen Preisen (Teuerste Karte 87 €, günstigste 24 €) etwas für Touristen und die Musicalbesucher, die eine Vorliebe für klassische und ausdrucksvolle, manchmal auch lasziv angehauchte Tanzszenen haben. Allerdings ist es weniger in die aktuellen Stimmungsmusical einzuordnen und auch von seiner “Ohrwurmqualität” ist außer Grizabelas “Memory” (Erinnerung) nicht viel, was musikalisch hängenbleibt.

Fazit: “Cats” wurde aufgemöbelt, ohne durch seinen Glanz alles zu überstrahlen. Die Stage Holding hat wahrscheinlich richtig kalkuliert, dass für das eine Jahr geplanter Laufzeit nochmals durch Fans und Neugierige richtig Kasse gemacht werden kann. Danach wird vielleicht “Wind of change” oder sogar “Elisabeth” am Potsdamer Platz einziehen und somit auch der qualitativ hochwertigere Trend, den Joop van den Endes Theatre Company in Deutschland eingeleitet hat, fortgesetzt.

Unsere Bewertung:  3 Sterne                                                                                  Weitere Informationen zu “Cats” finden Sie hier.

Oktober  ”Starlight-Express”

Dreh dich weiter “Rolling Stock”

 Auch unter neuer Leitung bleibt Deutschlands rasantestes Musical eine Reise wert .

Bochum (ees): Die Totengräber und Baggerfahrer mussten den Rückzug antreten. Obwohl es im Frühsommer lange Zeit düster um den Musical-Standort Bochum aussah, steht der “Starlight-Express” nach wie vor mächtig unter Dampf. Das Engagement der Mitarbeiter, die zwischenzeitlich sogar zwei Wochen auf ihre Gagen verzichteten,  hat sich also gelohnt . Da mit Thomas Krauth und Michael Brenner nicht nur neue Besitzer an die Ruhr gezogen sind, sondern die gesamte Inszenierung im Juni einer Frischzellenkur unterzogen wurde, haben wir den “Star-Ex” nach 18 Monaten nochmals besucht, um Ihnen einen aktuellen Einblick zu gewähren.

Bereits beim Betreten des Saals fällt die neu ins Parkett eingebaute, Achter-Laufbahn auf, die die Darsteller  dem Zuschauer noch näherbringt (Foto unten). . Während die Detailänderungen bei den Kostümen kaum ins Gewicht fallen, hat es in Sachen Beleuchtung und Akustik  Verbesserungen gegeben. Allerdings leidet der “Starlight-Express” weiter unter den sprachlichen Problemen seiner Darsteller, denn die vielen verschiedenen Dialekte mischen sich, gerade beim Chor, zu einer undefinierbaren Masse, deren Inhalt man oftmals nur erraten kann.

Zunächst waren wir etwas überrascht, dass ausgerechnet in einer Samstagabend-Vorstellung die - nominell - fast komplette zweite Besetzung an den Start ging. Immerhin ist dies die Vorstellung der höchsten Preiskategorie, bei der selbst in der letzten Reihe (bei guter Sicht und Akustik) noch 69 € Eintrittsgeld fällig sind. Doch die folgenden 160 Minuten haben uns bewiesen, dass der Begriff Zweitbesetzung völlig fehl am Platz war. Denn die Rollen-Rotation hat die gesamte Aufführung deutlich aufgefrischt. Gegenüber unserem letzten Besuch haben wir jedenfalls eine deutliche Verbesserung festgestellt.

Andrew Lloyd Webber hatte  in London zwei neue Kompositionen in die Show eingebaut , die nun auch Bochum erreicht haben (warum eigentlich erst 2002 ???) . Beide sind ein Gewinn für die Inszenierung, wenngleich “Allein im Licht der Sterne” (2. Akt) sein Pendant “Crazy” (1. Akt) deutlich übertrumpft. Allerdings profitiert der “neue Starlight-Express” auch von aufgepeppten Interpretationen seiner Klassiker. So lief bei unserem Besuch der “Girls Rolling Stock” der “Greaseball-Version” aus dem 1. Akt deutlich den Rang ab. Dies lag aber  auch an Andrew Caroll, der die Rolle der Diesellok zwar passabel, aber ohne die blutdrucksteigernde Ausstrahlungskraft eines Drue Williams (Foto unten) spielte.

Womit wir bei den aktuellen Darstellern wären. Greg Castiglioni überraschte uns mit einer ansprechenden Darstellung der Dampflok “Rusty”, wobei er auch stimmlich zu überzeugen vermochte. Ganz stark auch sein “Papa”. Gavin Ashbarry bot eine starke Leistung und avancierte mit seinem “Papas Blues” sogar zum Publikumsliebling, woran auch ein kurzer Stimmaussetzer beim anschließenden Intro zum “Starlight-Express” nichts ändern konnte. Größter Pluspunkt des Abends war aber Louise Perez ( Pearl), die man sich nach dieser stimmlich, darstellerisch und sportlich sehr guten Leistung kaum als Zweitbesetzung vorstellen kann.

Während die Musik , das Bühnenbild und die Lichteffekte zu den Stärken der Inszenierung gehören, ist die Handlung eher einfach gestrickt und wird gehobeneren Ansprüchen sicher nicht gerecht. Aber das soll sie ja gar nicht, denn der “Starlight-Express” ist im wesentlichen ein Gute- Laune-Musical mit viel Action. Der Kult, den “StEx” genießt, beruht im wesentlichen  auf den Rollschuh-Stunts und auf den einzelnen Charakteren, die letztlich nichts anderes darstellen, als ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. 

Das Theater wirkte gegenüber unserem letztjährigen Besuch  aufgeräumter und sauberer. Auch beim Personal waren deutliche Verbesserungen in Sachen Service  erkennbar.  Die Qualität der sanitären Anlagen entsprach den allgemeinen Anforderungen, aber nicht mehr. Dafür war die Wartezeit vor den Toiletten in der Pause überdurchschnittlich lang.

Unser Tip: Mittlerweile lohnt es sich, einen Besuch in Bochum langfristig zu planen. Denn gerade die jüngeren Besucher sollten sich überlegen, als Reisegruppe mit besonderen Konditionen diese Tour anzutreten. Angebote, gerade innerhalb der Woche, gibt es zur Genügen. Und für größere Entfernungen bietet sich beispielsweise der Mittwoch mit seinem früheren Veranstaltungsbeginn und äußerst günstigen Preisen an. Fans des Musicals weichen ohnehin auf die Wochentage aus, da sich am Wochenende viele, eher zurückhaltende, Hotelgäste einfinden, denen das “Starlight-Express-Feeling” nur schwer und langsam zu vermitteln ist.

Fazit: ”StEx” ist ein rasantes , rockiges Musical , bei dem differenzierte Charaktere und rasante Action die Handlung bestimmen. Es ist, im Gegensatz zu anderen Inszenierungen stark auf jugendliche und junggebliebene Besucher zugeschnitten. Für einen unterhaltsamen Abend ist der “Starlight-Express”  die richtige Einstimmung. Die “Frischzellen-Kur” hat sich gelohnt, aus unserer Sicht hat die Inszenierung jedenfalls einen Stern hinzu gewonnen.

Unsere Bewertung:    4 Sterne                                                                 Weitere Informationen zu ”Starlight-Express” finden Sie hier.

 

September ”Der kleine Horrorladen”

Vegatarier unerwünscht - “Gib´s ihr, Seymour!”

 Hochmotiviertes Ensemble von “Little Shop of Horrors” offeriert beste Unterhaltung .

Bremen (ees): In Bremen - und in Kürze auch in Lübeck- darf man sich über einen neuen Musical-Leckerbissen freuen. Denn in Coproduktion mit dem Stadttheater Minden und Musical Unltd. hat das Waldau-Theater Komödie Bremen mit “Der kleine Horrorladen” ein , vielerorten verkanntes, Kultmusical an die Weser geholt, das ohne Mühe die Nachfolge von Hans Neblungs “Rocky Horror Show” antreten dürfte. Regisseur Andreas Lachnit und Jürgen Morche als Künstlerischer Leiter können dabei vor allem auf ein hochmotiviertes Ensemble bauen,  dessen Ausstrahlungskraft den berühmten Funken nahtlos ins Publikum überspringen lässt. Die Premierengäste waren jedenfalls begeistert und huldigten den Darstellern mit zehnminütigen, teils stehenden Ovationen.

Es dauerte immerhin bis 1982, ehe Howard Ashman und Alan Menken die Filmvorlage von Roger Corman aus dem Jahr 1960 auf die Bühne des Broadways brachten. An dieser schrill-satirischen Persiflage, gewürzt mit einem gehörigen Anteil parodistischer Dichtung , orientiert sich auch die aktuelle Inszenierung, die bis Jahresende im ständigen Wechsel zwischen Bremen und Lübeck hin-und-her pendeln wird. “Der kleine Horrorladen ” beschreibt dabei auf witzige Art und Weise auch eine Wirklichkeit, die eigentlich gar nicht  witzig ist.

Die Geschichte um die - heute würde man genmanipulierte sagen - Vampirpflanze AUDREY II, spielt im New York der 50er Jahre. In einem Bezirk der Eastside verhilft die von  Assistent Seymour Krelbourn ( Christoph Banken /2.v.l.) gezüchtete Pflanze den fast bankrotten Blumenladen des Mr. Gravis Mushnick (Jürgen Morche / 2.v.r.) zu neuer Anziehungskraft. Doch die neugewonnene Berühmtheit hat ihren Preis, denn der Mutant entstammt offenbar der erweiterten Verwandtschaft von Graf Dracula, ernährt sich am liebsten von Blut. Um diese Ausgangslage gruppieren sich dann die zwischenmenschlichen “Dramen”. So die “handfeste” Beziehung zwischen Seymours heimlicher Liebe Audrey (Jutta Habicht / links) und ihrem sadistischen Zahnarztfreund Orin Scrivello (ganz stark: Marco Dott). Oder die vermeintliche Vater - Sohn Beziehung zwischen Seymour und Mr. Mushnick. AUDREY II (rechts) entwickelt in diesen Dramen eine ganz eigene Dynamik, nutzt sie doch einfach die Problemfälle zur eigenen Ernährung.  Wie lange das gutgeht? Nun, davon sollte sich jeder Interessierte selbst überzeugen.                                    

Die beiden Hauptrollen der Audrey und des Seymour erinnern  an Brad und Janet aus der “ Rocky Horror Show”. Dennoch verleihen sie dem Stück aufgrund ihrer Ausstrahlung eine ganz eigene Note. Dabei werden sie von einem großartigen Ensemble unterstützt, in dem die  Nebenrollen ( grandios Harald Effenberg als Masochist) überdurchschnittlich effektiv besetzt sind. Jürgen Morche, dessen Rolle als Mr. Mushnick etwas an den Milchmann Tevje aus “Anatevka” erinnert, spielt den vermeintlichen Übervater ausdrucksvoll, aber nicht überbetont, was den Handlungsablauf unterstützt. Und der “Drei-Gören-Chor ” mit Crystal, Chiffon und Ronette ist vom musikalischen Leiter Pit Witt so geschickt in Szene gesetzt, dass Langeweile nicht aufkommen kann. Hochachtung gebührt  der Leistung von Aki Grimm, der unter der Pflanzmaske Schwerstarbeit leistet. Zusammen mit Ulrich Wewelsiep, der AUDREY II  seine Stimme leiht, verhilft er der Pflanze zu einem real-lebendigen Kultstatus.

Musikalisch gibt es kaum etwas auszusetzen. Ohrwürmer wie “Jetzt hast du Seymour” , “Zahnarzt” oder “Gib´s mir ” sind eingängig und laden zum Mitklatschen ein. Die Stimmen aller Akteure sind gut verständlich, dialektfrei und ausdrucksstark. Und die Band im Hintergrund übt sich erfreulicherweise  nicht nur im Hochtunen der Bässe, sondern untermalt die Handlung mal dezent, mal rockig, aber immer den Geschehnissen angepasst, als musikalische Begleitung.

Bei allem Lob sollten aber auch zwei Wermutstropfen nicht unerwähnt bleiben. Zum einen die Proportion zwischen erstem (90 Minuten) und zweitem (knapp 40 Minuten) Akt. Denn in den unbequemen alten Stuhlreihen des Waldau-Theaters hält man es eigentlich kaum länger als eine Stunde aus. Und aufgrund der nach wie vor katastrophale Be- und Entlüftung des Saals, sollten Asthmatiker die ersten zehn Stuhlreihen  meiden. Der Rauch aus den Nebelkanonen dringt weit ins Parkett vor und führte bei der Premiere mehrfach zum Zücken von Taschentüchern als Atemhilfe.

Unser Tip: “Der kleine Horrorladen” ist in diesem Jahr nur kurze Zeit in Bremen (22.10 - 27.10.). Ab Januar kommt die Inszenierung bis Juni für jeweils sechs Tage in die Hansestadt. Wer solange nicht warten kann, sollte sich eine Reise ins  nördlicher gelegene Lübeck vornehmen, denn dort sind Seymour und Co. auch noch im November zu sehen. Näher Details zu den Terminen finden sie hier.

Fazit: Qualitativ hat Bremen (und in Kürze auch Lübeck) wieder ein hochkarätiges Musical. Ein hochmotiviertes Team unterhält und amüsiert das Publikum mit einer erstklassigen Umsetzung einer phantasievoll-humoristischen Geschichte. Die Mängel des Theaters kann man den Darstellern nicht zur Last legen. Wer sich den “Little Shop of Horrors” anschaut, wird auf alle Fälle Freude am Theater erleben.

Unsere Bewertung:    4 Sterne                                 Weitere Informationen zum kleinen Horrorladen finden Sie hier.

 

September Special ”Elisabeth”

Der Tod muss koa Wiener sein

 Nach 18 Monaten keinerlei Abnutzung bei Deutschlands Top-Musical erkennbar / Am 30.Juni 2003 ist  Schluss .

Essen (ees): Was haben die Pessimisten nicht alle geunkt. Ohne Pia Douwes würde “Elisabeth” seinen Glanzpunkt verlieren. Uwe Kröger solle in Gedanken ohnehin schon bei seinem nächsten Engagement sein. Und die ständigen Castwechsel würden das hohe Niveau des Ensembles massiv beeinträchtigen. Wir sind 18 Monate nach der Premiere erneut ins Essener Colosseum gereist, um uns selbst ein Bild zu machen. Und wir können jetzt nachvollziehen, wieso die Geschichte der österreichischen Kaiserin das Industriedenkmal in Essens Zentrum immer noch zu 90% mit Zuschauern füllt. Denn die Leistung des gesamten Teams, vom Beleuchter bis zu den Hauptdarstellern, ist nach wie vor etwas Besonderes in der Musicallandschaft Deutschland.

Viele Beobachter hatten nach Pia Douwes Weggang geunkt, dass die Nachfolgerin es  nur schlechter machen kann. Tut sie aber nicht, denn Maike Boerdam (Foto; mit Andre Bauer) verfügt vielleicht -noch- nicht über das hohe C der Douwes. Doch mit ihrer ganz besonderen  Mimik (phantastisch das Spiel ihrer Augen) gleicht sie das mehr als aus. Sie ist der neue Glanzpunkt in einem Führungsquartett. Denn neben Maike Boerdam lässt Uwe Kröger als Elisabeths ständiger Schatten (“Tod”) keinerlei Abnutzungserscheinungen erkennen. Carsten Lepper , “Shooting-Star”  2001, hat die Rolle des rotzfrechen “Conferenciers” und Elisabeth-Attentäters Luigi Lucheni perfektioniert. Allerdings steht und fällt diese Rolle mit Lepper, denn die Zweitbesetzungen strahlen nicht annähernd sein Charisma aus. Mit Andre Bauer hat sich zu den drei, bislang herausragenden Darstellern, ein weiterer gesellt. Denn Bauer ist es gelungen, die Rolle des Kaisers Franz-Josef stärker zu betonen. Wirkte der Kaiser früher unterkühlt, kann man ihn heute emotionaler erleben, sowohl schwermütig wie auch dominant-agressiv. Damit kann er seinen “Bühnen-Sohn” Jesper Tyden (der übrigens inzwischen eine starke Zweitbesetzung des “Tod” spielt) in der Publikumsgunst überflügeln.

Dem Ensemble haben die vielen Neuzugänge nicht geschadet. Im Gegenteil, viele Szenen (Kaffeehaus; Milch) wurden mit neuem Leben erfüllt und lassen den Funken auf das Publikum überspringen. Und die Milchkannen sind  auch wieder vollzählig. Die zwischenzeitlichen “Sparmaßnahmen” mit reduzierter Kannenanzahl hatten die Wirkung des “Milchkannenchors” deutlich reduziert.                                   

Musikalisch ist und bleibt “Elisabeth” das aktuelle “Non-Plus-Ultra”. Denn vom Ohrwum des Jahres 2001 (“ Die Schatten werden länger”) über das fetzige  “Der letzte Tanz”, das melancholische “Boote in der Nacht” oder Luchenis “Kitsch” reihen sich nach wie vor eingängige Kompositionen für jeden Geschmack aneinander. Nicht zu vergessen natürlich Elisabeths “Ich gehör nur mir”, dass mittlerweile schon fast Kultstatus geniesst. Die herrlichen Kostüme , die einfachen, aber effektiven Bühnenbilder sowie die farbenfrohe Beleuchtung untermalen, begleitet von übergangslosen Szenenwechseln, die Ausdruckskraft der Kompositionen.

Nach wie vor sind viele Zuschauer überrascht vom Handlungsablauf. Oft erwarten sie immer noch, eine Fortsetzung des Sissi-Klischees aus der TV-Trilogie zu sehen. Es spricht für die Leistung der Autoren,  dass die wesentlich realistischere, weil autobiographischere Inszenierung, auch diese Zuschauer begeistern kann. Die egoistische “Elisabeth” kommt bei allen Generationen jedenfalls hervorragend an..Und auch die unorthodoxe (deutsche?) Version des “Tod” scheint maßgeschneidert für das Publikum. Während die Rolle in Wien eher gemütlich-gemächlich nach dem Motto “Der Tod is a Wiener” gespielt wurde, betont  Uwe Kröger (Foto rechts mit Maike Boerdam) in Essen eher den harten, agressiven Akzent dieser Rolle und weckt damit wohl bei vielen Besuchern das Phänomen der Todessehnsucht, die auch Elisabeth immer wieder begleitet.

In der Publikumsgunst ist “Elisabeth” mit über 720.000 Zuschauern ein Renner. Ein Phänomen können Beobachter in Pausengesprächen immer wieder feststellen. Es sind vor allem Frauen, die die Intention zu dem Musical-Besuch haben. Und es sind deren Männer , die, zuerst oft nur als Goodwill-Begleitung mitgegangen, nach kurzer Zeit wie erstarrt auf ihren Plätzen sitzen und beim Schlussapplaus wie wild Beifall klatschen.

Unser Tip: “Am 30.Juni 2003 wird “Elisabeth” zum letzten Mal in Essen vom Tod geküsst werden. Angesichts der Vorverkaufszahlen sollten sich alle, die diese Inszenierung noch nicht gesehen haben, schnellstens ihre Tickets sichern. Kombinieren sie es mit einem gemütlichen essen beim “Kaiser-Büffet” im Theater-Restaurant. Allerdings sollten sie als Ortsunkundiger genug Zeit für die Anreise einplanen, denn die Ausschilderung zum Theater ist, mit Verlaub, miserabel.

Fazit: “Elisabeth” ist ein anspruchsvolles und äußerst unterhaltsames Musical mit Starbesetzung. Egal, ob Sie anspruchsvoller Musicalbesucher oder Einsteiger sind. Bei dieser Inszenierung, die in einem der schönsten Musical-Theater Deutschlands gespielt wird,  können sie eigentlich mit einem Besuch nichts falsch machen. Wir wissen nicht, ob “Elisabeth” nach seiner Essener Zeit anderswo in Deutschland gespielt wird (Hamburg/Berlin??).  Darum können wir Ihnen nur empfehlen......

......nutzen Sie ihre Chance auf einen Besuch, es könnte die -vorerst- Letzte sein.

Unsere Bewertung:    5 Sterne                                 Weitere Informationen zu “Elisabeth finden Sie hier.

 

Juni ”Ludwig II”

 Humor ist, wenn man trotzdem lacht

Füssener Inszenierung ist nur etwas für eingefleischte Ludwig II - Kenner.

Füssen (ees): Was hätte das für ein schöner Abend werden können. Vor der herrlichen Kulisse der oberbayrischen Alpen, dem Panorama des Forggensees,  in einem architektonisch wunderschön gestalteten Musical-Theater Neuschwanstein freuten wir uns mit rund 1.300 weiteren Besuchern auf die Vorstellung von “Ludwig II”. Doch was uns dann in der rund dreistündigen Inszenierung geboten wurde, war nur selten dazu angetan, uns einen “unterhaltsamen Abend” zu bescheren. Denn “Ludwig II” ist nicht für den Durchschnittsbesucher eines Musicals, der nur leichte Unterhaltung wünscht. Eher etwas für Kenner dieser Ära, die die teilweise verwirrende Handlung einzuordnen wissen.

Bereits bei der Anreise fiel uns der erste Wermutstropfen ins Auge. Der Forggensee bestand aus einem einzigen  Kiesbett, wird nach Aussagen einiger Ortskundiger erst im Juni gefüllt, da er im Winter Kiesabbaugrube ist. Vor der Kulisse des Schloss Neuschwanstein ein derber Tropfen aufs Gemüt. Doch dafür entschädigte der Anblick auf das in fünf Flügel unterteilte Theater mit seiner gläsernen Front und seinen einladenden Galerien. Leider wurde das Foyer durch viel zu große Merchandising-Stände verunstaltet, von König-Ludwig Gummibären bis zur Gipsstatue war hier wirklich jeglicher Kitsch zu erwerben. Das grösste Manko des Theaters ist allerdings seine Bestuhlung. In einem ansonsten attraktiven Saal. sollen Knieabstand und Polsterung  wohl dem 19. Jahrhundert angepasst sein, worüber sich vor allem  Besucherinnen   mokierten.

Die Aufführung beginnt mit einem (leider) endlosen Trauerzug, der den Sarg von Ludwigs Vater, Maximilian II, begleitet. Nach diesen ermüdenden Einstieg erscheinen Ludwig drei blau(?)-gekleidete Nymphen, die ihn im Verlauf des Musicals immer wieder dazu animieren sollen, seinen Träume in die Tat umzusetzen und der Realität mehr oder wenigen abzuschwören. Diese Nymphen sind ein Problem der gesamten Aufführung. Sie kommen, wie viele der Darsteller, von der Oper. Dies lassen sie den Zuschauer deutlich spüren. Unverständlich und in einigen Szenen auch absolut deplaziert verwirren sie die Zuschauer, die nur dank der mitlaufenden Untertexte dem Inhalt folgen können.

Und da sind wir auch schon bei einem weiteren Handicap dieser Inszenierung. Wollten die ProduzentenFranz Hummel, Stephan Barbarino und Heinz Hauser ein Musical schaffen oder eine Oper???? Viele Szenen erinnerten eher an eine Operical. Wer  das gut verständliche “Hohe C” einer Pia Douwes in Elisabeth gehört hat, war entsetzt über die Soli der Füssener “Sissi” (siehe Foto oben, mit Ludwig II) , gespielt von Hege Gustava Tjönn. Denn die gehörten eher in die Kategorie Opernarie, allerdings auf hohem Niveau. Und an dieser Stelle wollen wir auch gar nicht die künstlerische Leistung der Darsteller kritisieren. Alle gaben zweifellos ihr Bestes, doch in einem Musical können wir nicht die Messlatte einer Oper ansetzen. Dieser Spagat zwischen dem Genre Musical und der Oper zog sich wie ein roter Faden durch die gesamte Aufführung. Das die Zuschauer unruhig werden, wenn sie kaum die Hälfte der Texte verstehen, ist daher wohl verständlich. Lediglich Bismarck und der Ministerchor erinnerten nach der Pause an das klassische Musical.

Nächstes Manko: Die Handlung baut von Beginn an auf dem Wahnsinn Ludwigs II auf. Von Beginn (Thronrede) bis Ende (Kristallgrotte/Selbstmord) erlebt man nur den vermeintlich verückten König. Kein Hinweis auf Ursachen und Entwicklung , kein erkennbarer roter Faden . Das man so etwas besser machen kann, könnten sich die Produzenten bei “Elisabeth” abschauen, wo der Weg von der unbeschwerten Prinzessin zur egoistischen Kaiserin prägnant in Szene gesetzt wurde. Apropos Eluisabeth: Die Anspielungen auf die Affäre Ludwigs mit der Kaiserin von Österreich hätten Stoff zu mehr Spannung geboten, hätte man beispielsweise Sissis Ehemann Franz-Josef auch mal zu Wort kommen lassen.

Die  Lichtblicke der Aufführung sind   schnell aufgezählt. Die Musikzimmerszene mit Sissis Schwester Sophie, aufgrund derer Ludwig seine Verlobung mit Sophie löst, die Wagner-Oper mit dem köstlichen Drachentöter Siegfried, der Minister-Chor auf Neuschwanstein, dem Schuhplattler-Chor in der Cannabis-Szene (Photo rechts: Ludwig und die Nymphen) sowie der Selbstmord im Starnberger See prägen sich nachhaltig positiv bei den Besuchern ein. Doch das ist insgesamt zu wenig, um dieser Handlung einen positiven Grundtenor zu attestieren.

Ein Wort zur Choreographie. Neben den Walzerszenen überzeugten allenfalls noch die Schuhplattler (s.o.).  Hier hätten ein paar weitere, vielleicht modern angehauchte, Tanzszenen nicht geschadet. Zumal ein optischer Leckerbissen allemal von dern strapaziösen Geschichte abgelenkt hätte.

Wir haben uns bei diesem Besuch ausführlicher mit anderen Zuschauern unterhalten, als wir das normalerweise tun. Aber der Grundtenor stimmte bei fast allen mit unseren eigenen Eindrücken überein. Wer kein ausführliches Hintergrundwissen über den Sonnenkönig mitbrachte, fühlte sich mit der Aufführung überfordert und teilweise sogar verschaukelt.

Unser Tip: “Wenn Sie Ludwig-Fachmann/-frau sind  und Ihren Urlaub in Oberbayern verbringen, besuchen Sie ruhig “Ludwig II”. Wenn nicht, lassen Sie es lieber bleiben. Die Sicht ist von allen Plätzen in Ordnung, daher haben die billigen Karten ihren Reiz.  Und wenn Sie ein Zimmer in Füssen u.U. suchen, buchen Sie es lieber selber über Katalog oder Internet, die Zimmervermittlung bei der Tourist-Information ist nicht gerade auf aktuellstem Stand.

Fazit: In jeder anderen Stadt wäre diese Inszenierung längst abgesetzt worden. “Ludwig II” profitiert ausschließlich von der Touristenregion Oberbayern und den Fans der bayrischen Monarchie. Hier wurde etwas für Touristen auf die Bühne gestellt, die ohnehin kaum noch einmal in das Theater gehen würden. Unter qualitativ hochwertigem Musical verstehen wir  etwas anderes.  Statt “Sehnsucht nach dem Paradies” hatten wir, wie viele andere Zuschauer auch ........ “Sehnsucht nach dem Schlussvorhang”!

Bewertung: 2 Sterne                     Mehr Informationen zu ”Ludwig II” erhalten Sie HIER

 

Mai/Juni Special:  “Rocky Horror Show”

 Der Horror bleibt Kult!

Hans Neblungs Klassiker-Inszenierung lässt alles andere für einen Abend verblassen.

Berlin (ees): Welch ein Bezug zu unserer letzten Reportage. Denn genau wie “Grease” haben wir auch die Rocky Horror Show vor einem Jahr bereits besucht.  Doch im Gegensatz zur Berliner Inszenierung strotzen die Darsteller im Bremer Waldau-Theater nur so vor Motivation. Die “Rocky Horror Show” von und mit Hans Neblung an der Spitze begeistert die Fans und lässt das Bremer Waldau- Theater aus allen Nähten platzen.

Vier Neulinge sind bei der Neuauflage von Richard O´Briens Klassikers dabei. Dabei hat Robert Edwards als Erzähler die  tragenste Rolle. Allerdings wirkt er , trotz allen erkennbaren Bemühens,  gehemmt und verkrampft , wahrscheinlich würde ein junger, unbekümmerter Schauspieler mehr aus dem “Narrator” herausholen  Markus Simader überzeugt als Dr. Scott, hat als Eddie aber Probleme, an die Ausstrahlungskraft seiner Vorgänger anzuknüpfen.

Die Pfunde, mit denen die Show allerdings  wuchern kann, heißen Kaatje Dierks (Janet), Carola Thierheimer (Magenta) und natürlich Hans Neblung (Frank N. Furter, siehe Foto r.), während Dominic Orth (Brad) trotz guter Vorstellung wohl nicht in der Lage sein wird, die Faszination eines Leon van Leeuwenberg zu erreichen.

Die “Rocky Horror Show” wäre nicht sie selbst, würde nicht Frank N. Furter auch mit dem Publikum spielen, würden die Zuschauer sich nicht selbst ständig in die Vorführung einbringen. Reishagel, Wasserpistolen, Unmengen an Toast, Klopapierrollen. Der Kult lebt weiter und fliegt in hohem Bogen auf die Bühne. Selbst die Teenager sind begeistert, da kann man auch mal die, etwas unqualifizierten, Zwischenrufe von vorpubertären Miniatur-Casanovas tolerieren.

An Höhepunkten mangelt es der “Rocky Horror Show   nicht. Egal, ob der “Time Warp”, Franks “Sweet Transvestite ”, Eddies Rock´n Roll Einlage oder Janet und Brads”There´s a light”, es dürfte für jeden Geschmack etwas dabei sein. Das Bühnenbild der Show ist einfach und funktionell. Die Band ist gut, ebenso die Tonregie. Am Waldau-Theater haben wir bereits in unserer “Träume”-Kritik herumgemäkelt, daher schenken wir uns das an dieser Stelle.

Unser Tip: “Wenn Sie einen echten Leckerbissen erleben möchten, sichern Sie sich Tickets für die Late Night Show. Denn dort erwarten Sie noch einige Überraschungen aus der Originalproduktion.  Holen Sie ruhig ihre alte Wasserpistole aus der Schublade,  verbrauchen Sie ihren Vorrat an Toast und Klopapier. Und vergessen Sie auf keinen Fall, sich etwas über den Kopf zu ziehen.

Fazit: Die Rocky Horror Show war ein Renner, ist ein Renner und wird wohl auf ewig Kult bleiben. Die Bremer Produktion ist kein Routineauftritt, sondern Spaß an der Freud, besonders geeignet, Jung und Alt gleichermaßen im Theater zu vereinen. Darum kommen auch wir nicht umhin, uns unseres Fazits vom Vorjahr zu bedienen.........

....“let´s dance the time warp again”!

Bewertung: 4 Sterne                     Mehr Informationen zur Show erhalten Sie HIER

 

Mai: “Grease”

 Mehr Motivation, bitte!!!

Berliner Neuauflage des Travolta-Tanzspektakels fehlt das Feuer.

Berlin (ees): Welch ein Kontrast. Vor rund 18 Monaten startete im Theater des Westens eine Inszenierung, unter der sich zunächst niemand etwas vorstellen konnte. Doch dank eines tollen Ensembles, dass den Funken auf die Zuschauer überspringen ließ, wurde “Falco meets Amadeus” zu einem Renner, letztlich sogar zum ”Rockmusical 2001” gekürt. Heute läuft  auf derselben Bühne mit “Grease” ein Stück, dass die Zuschauer kennen. Eigentlich eine gute Ausgangsposition für das Ensemble, kann man doch in vorgerfertigte Rollen hineinschlüpfen. Leider tun die meisten Darsteller dies mit so wenig Leidenschaft, dass der Saal bei unseren Besuch gerade noch zu etwas mehr als einem Drittel gefüllt war. Die Vorstellung klärte uns über die Gründe auf.

Bei der Besetzung von David Gilmores Neuinszenierung liegt nämlich das Hauptproblem der Berliner Inszenierung. Ohne Motivation, ohne Ausstrahlung traten einiger der Hauptakteure vor das Publikum. Nicolette Hart als Sandy bot gute Schauspielkunst, allerdings ohne Ausstrahlung. Und ausgerechnet beim Klassiker “Your the one that I want” setzte sie gleich mehrfach zu spät an. Dominic Nolfi (Danny) spulte sein Pensum herunter, wirkte aber phasenweise von seinen Gang-Kumpels in der Wirkung klar übertroffen. So gehörte die einzige Szene, die wirklich für Stimmung unter den Zuschauern sorgte, seinem Vertreter Kenickie. Der sorgte mit seiner Version von “Greased Lightnin” zumindest kurzzeitig für Tanzgelüste  (siehe Foto links).

Ansonsten wirkten die Hauptdarsteller, vielleicht aufgrund des leeren Hauses, demotiviert. Da empfand man es als angenehm, dass wenigstens die Nebenrollen (Roger, Doody, Jan) Spass am Spiel zeigten und mit guten Stimmen und austangierter Mimik gefallen konnten, ebenso wie die Choreographie übrigens. Völlig unmotiviert wirkte allerdings Radiomoderator Vince Fontaine, der wohl gar nicht schnell genug von der Bühne kommen konnte und aus seiner eigentlich hervorstechenden Rolle gar nichts machte. Wie man das besser macht, zeigt zur Zeit in Düsseldorf “Miami Nights” in Person von Fred Devine.

Ein Wort zur Bühne: Das Bühnenbild war wesentlich besser abgestimmt als 2001. Auch die Beleuchtung wirkte profihafter als in früheren Jahren.  Einige Szenenwechsel wirkten allerdings zu langatmig, hier sollte nachgebessert werden. Und zum Theater ist noch zu sagen, dass man sich auch an flauen Tagen sein Publikum durch guten Service bewahren kann. Hoffentlich hat sich im TdW noch nicht die gefürchtete Resignation im Zuge eines -möglichen- Theaterverkaufs breit gemacht. Es wäre schade um den Standort.

Unser Tip: “Planen Sie ihren Berlin-Trip nicht um “Grease” herum, sondern nehmen sie es, wenn Zeit ist, eventuell nachträglich in ihr Besuchsprogramm. Wer das Musical allerdings in früheren Jahren bereits gesehen hat, sollte es sich besser ersparen. Mit “Evita” und “A Chorus Line” kommen bald weitere Klassiker nach Berlin, deren darsteller vielleicht mehr Lust an ihrem Beruf haben.

Fazit: Grease” sollte vielleicht mal eine Pause in Berlin einlegen. Gegenüber der letztjährigen Inszenierung im Schiller-Theater ist das Bühnenbild zwar besser und die Stimmen nicht mehr so schrill. Dafür hat die Qualität aufgrund einer reinen Routine-Aufführung gelitten. Entweder, die Darsteller reißen sich bald am Riemen, oder ........

....“es hat sich “ausgegreast”!

Bewertung: 2 Sterne                     Mehr Informationen zu “Grease” erhalten Sie HIER

 

April: Premierenbericht “Falco meets Amadeus”

 Falco erobert Oberhausen

Neuauflage des “Rockmusicals 2001” mit Traumstart und Traumnote in neuer Umgebung

Oberhausen (ees): Das erste Double ist geschafft. Die von Burkhard Driest ins Leben erweckte, teilbiographisch und phantasievoll ausgeschmückte Geschichte des exentrischen Lebenskünstlers Falco und des musikalischen Genies Amadeus, kurz “Falco meets Amadeus” getauft, hat sich am neuen Standort Oberhausen mit der Neuinszenierung seine zweite 5-Sterne Benotung eingeheimst. Vor 1.750 begeisterten Premierenbesuchern musste Axel Herrig im zweiten Akt sogar mehrfach innehalten, weil die Zuschauer gar nicht mehr mit dem Applaudieren aufhören wollten. Der Saal glich am Ende einem Hexenkessel. Und das, obwohl die überdimensionale und überproportionierte Bühne zu Beginn der Vorstellung  einige atmosphärische (und akkustische) Störungen heraufbeschwor.

Fangen wir mit den Wermutstropfen an. Gegenüber der einfachen, aber atmosphärisch angenehmeren Bühne des Berliner Theater des Westens ist die ehemalige “Tabaluga”-Bühne technisch anspruchsvoller. Sie vermittelt durch ihre enorme Größe (und Höhe) allerdings lange Zeit einen “Hallen”-Effekt, der eine akkustische Überarbeitung dringend erforderlich macht. Auch die überdimensionalen Videowände wirken  überzogen, weniger wäre sicher mehr.  Und wie bei unserer Kritik des Jahres 2001 sollte sich der Besucher ruhig  vor dem Besuch des Musicals eine Inhaltsangabe besorgen, um sich anfangs nicht  von der teilweise fast schon avantgardistischen Handlung verwirren zu lassen.

Doch das war es auch schon mit der Kritik. Wir haben die neue Inszenierung mit der Berliner Aufführung verglichen. Und dabei fiel zu allererst das neugestaltete Theatro Centro ins Auge. Wer das Theater aus der “Tabaluga”-Zeit kennt, wird sich wundern. Eine wohlige Atmosphäre strömt  aus dem Foyer entgegen. Warme , blau unterlegte Farben, saubere, Sanitäranlagen, außergewöhlich freundliches Personal . Anfahrt und Parkmöglichkeiten gaben keinen Anlass zur Kritik. Im Foyer ließ allerdings der Dunstabzug der Nikotin-Fraktion   in der Pause  zu wünschen übrig. Gutes Klima dagegen im Saal mit seinem (s.l.)  sehr geräumigem Auditorium.  Die große Bühne mit breit eingezogenem Laufsteg, zwei kleinen Seitenbühnen und den zwei zu großen Videowänden erlaubt  sehr gute  Sicht, neutralisiert aber , wie erwähnt, gleichzeitig einiges an Atmosphäre. Positiv  wiederum, dass  Szenen ins Publikum integriert oder dank moderner Technik “eingeschwebt” wurden .

Bei der Besetzung hat Regisseur Elmar Ottenthal nach dem Motto “never change a winning team ” agiert. Und das ist gut so, denn besonders das Fehlen von Martin Moss (Johnny Klein) hatte sich in Berlin zuletzt negativ bemerkbar gemacht. Neben dem phantastischen Axel Herrig (Falco) und dem stets Frohsinn versprühenden Nikolaus Hagg (Amadeus) ist Moss der 100.000 Volt-Mann der Aufführung. Seine Ausstrahlung auf das Publikum war enorm und hätte eigentlich noch weitere, choreographische Leckerbissen verdient gehabt. Es verwunderte niemanden, dass hinter dem dominierenden Männer-Trio die Damen der Zunft etwas verblassten. Doch Gudrun Schade (Kommissar/Tod) , Nicole Malangre (Garbo) und Nadine Hammer (Konny) machten das Beste aus dieser Situation und konnten sich zumindest zeitweise ins Rampenlicht spielen. Und den Tänzern des Ensembles muss auch 2002 wieder die Bestnote attestiert werden, jede Tanzszene war bis ins feinste Detail ein Augenschmaus.

Die Handlung orientiert sich am exzessiven Leben Falcos, mit zahlreichen Anspielungen auf seine Frauengeschichten und seinen -angenommenen- Drogenkonsum. Seine grössten Hits werden dabei zum Leben erweckt. So gehört neben seinem Manager Johnny Klein, seinem Diener Josef  und seiner späteren Frau Konny auch eine ominöse rothaarige Frau im Trenchcoat (Kommissar/Tod), eine Reporterin (Garbo) und eine junge Frau (Jeanny) zu seinen ständigen begleitern. Und natürlich Amade(us), der Falco im Moment höchster Verzweifelung zu neuer Inspiration ( Rock me Amadeus) verhilft. Das auch dieser Genieblitz ihn letztlich nicht vor dem Tod bewahren kann, ist abzusehen. Doch wie Ottenthal diese Phantasiegeschichte inszeniert hat, mit den Höhepunkten zu “Jeanny”, “Mutter, der Mann mit dem Koks ist da”, “Rock me Amadeus”, “Dance Mephisto”, “Coming Home” und dem absoluten Höhepunkt, dem “Sound of Music ”, das verdient höchste Anerkennung.

Unser Tip: “FMA” ist ein Lichtblick in der Kulturruine Deutschland. Die Preise für ein Musical dieser Qualität sind an den Wochenenden angemessen, an den Wochentagen sogar günstig. Allerdings sollten Sie bei ihrer Getränkebestellung auf die arg unterschiedlichen Preise achten. Sie können dadurch zu günstigen Konditionen einen richtig tollen Abend verleben.

Fazit: ”FMA” ist nicht nur etwas für Falco-Fans, im Gegenteil. Jeder Theaterbesucher, der auf innovative Handlung, Spitzen-Choreographien und Stimmungsvolle Musik “abfährt”, sollte sich schnellstens eine Fahrt nach Oberhausen in den kalender eintragen. Erleben Sie den feurigsten Manager, den amüsantesten Mozart und........

....“den besten Falco, den es je gab”!

Bewertung: 5 Sterne                                                 Mehr Informationen zu “FMA” erhalten Sie HIER

April “Träume”

 Stadtmusikanten mit Gänsehauteffekt

Bremer Musical Company beweist Kreativität und Einfühlungsvermögen

Bremen (ees): Ein Musical aus Bremen! Da denken viele an den wirtschaftlichen Reinfall bei “Hair”. Doch die Bremer Musical Company hat mit “Träume” eine Eigenproduktion auf die Beine gestellt, die mit der “großen” Konkurrenz im Musical-Theater wenig gemeinsam hat. Abgesehen  von der großartigen Darstellung eines Klasse-Ensembles. “Träume” läuft mittlerweile in der fünften Staffel, über 27.000 Menschen haben  im  Waldau-Theater diese Mischung aus Märchen, Traum und Wirklichkeit mitverfolgt. Es spricht für sich, dass das selbsternannte, “einzige deutsche Musical, dass ohne Zuschüsse auskommt”, die sechste Staffel für den Herbst angekündigt hat. Company-Chef Thomas Bläschke ist mit dieser Inszenierung ein  Volltreffer zu landen.

Bläschke hat mit “Träume” Mut bewiesen. Akribisch und mit viel Einfühlungsvermögen hat er zwei Musical in einer Inszenierung vereint. Da ist zum einen der Student Rainer, der  in seinen Träumen zum Musical-Produzenten wird und dabei viele Facetten des Theater- wie auch des realen Lebens durchspielt. Zum anderen lässt er das Märchen  der Bremer Stadtmusikanten durch “sein” Ensemble zum Leben erwecken.

Untermalt von einfühlsamer Musik (Gänsehauteffekt inclusive) setzt Bläschke die Pfunde, mit denen er wuchern kann, gezielt ein. Und dieses Pfund heisst vor allem Ensemble.Der Star ist die Mannschaft”. Dieser alte Herberger-Spruch trifft auf das “Träume”-Ensemble zu. An der stimmlichen und schauspielerischen Leistung der Darsteller ist kaum etwas auszusetzen. Ein besonderes Lob verdienen sich die “Stadtmusikanten”, die selbst ihren “Produzenten Rainer” in den Hintergrund rücken.

 Musikalisch überzeugt “Träume” durch perfekte Arrangements , die jederzeit einen Bezug zum Titel bieten. Egal, ob der “Ohne-Sorgen-Blues” oder “Show must go on”, Thomas Bläschke hat bei seinen Kompositionen das richtige Fingerspitzengefühl an den Tag gelegt. Selbst die Ouvertüren ließen eine greifbare Andächtigkeit im Saal zirkulieren. Und mit dem Ohrwurm “Leben” hat die Bremer Musical Company wohl gute Chancen beim “Ohrwurm des Jahres”.

Ein Handicap, mit dem “Träume” leben muss, ist  das Theater. Sowohl die Bestuhlung als auch die Klimaanlage des Waldau-Theaters lassen mittlerweile deutlich zu wünschen übrig. Es kann wohl kaum im Interessse eines guten Managements sein, wenn bei ausverkauftem Haus die Zuschauer in der Pause fast fluchtartig ins Freie strömen, um erstmal eine Sauerstoffdusche zu nehmen. Hier hat die Qualität in den vergangenen Monaten deutlich abgenommen.

Unser Tip: “Träume” verdient mehr als den “Musical-Provinz-Status”. Wer ein innovatives, mit Phantasie und Kreativität inszeniertes Musical sehen möchte, darf sich “Träume” nicht entgehen lassen. Die Qualität des Musicals sollte  eine längere Anreise wert sein. Vielleicht findet sich  in absehbarer Zeit  jemand, der einen Umzug der Bremer Musical Company ins größere Theater am Richtweg, wo gerade “Hair” seine Zöpfe abgeschnitten hat, ermöglicht.

Fazit: Klein, aber Oho! Die BMC hat mit “Träume” bewiesen, dass in Deutschland nicht nur hochfinanzierte Prestige-Inszenierungen zu Erfolgen werden können. Das besondere Flair dieser Aufführung sorgt für Gänsehauteffekte unter den Zuschauern. Im Interesse des Publikums daher der Aufruf.............

....“macht weiter so”!

Bewertung: 4 Sterne                     Mehr Informationen zu “Träume” erhalten Sie HIER

 

April Special ”Cabaret”

 Hier denken Sie nach “Mein Herr”

Cabaret in Bremen lässt keine Spur von Antiquiertheit erkennen - Im Gegenteil

Bremen (ees): Noch ein Musical in Bremen? Wenn da nicht just die Pleite von “Hair” gewesen wäre, könnte man die Hansestadt bald zur Musical-Hochburg erklären. Qualitativ wäre dies sicher berechtigt, denn nach Thomas Bläschkes “Träume” (s.o.) hat auch Hemut Baumann mit “Cabaret” eine preisverdächtige Inszenierung , diesmal allerdings eines Klassikers, auf die Bühne gebracht. Ein perfektes Bühnenbild sowie eine stärkere Betonung der Nebenrollen untermalen mit Nachdruck die Kombination aus Unterhaltung, Komik und Dramaturgie zu einer kompakten Aufführung, bei der allerdings der erste Akt etwas überbetont wurde.

Eine gute Inszenierung kann den Zuschauer auch dann fesseln, wenn er das gleiche Musical zuvor bereits besucht hat. VorausgesetBaumann hat diese Eigendynamik an den Tag gelegt. Mit der Betonung der Altersliaison zwischen der Pensionswirtin “Frl. Schneider” (Eva Gilhofer) und dem jüdischen Gemüsehändler “Herrn Schultz” (Thomas Kylau) erhält die Inszenierung eine tragikomische Note, die in tiefe Nachdenklichkeit mündet. Da verblasst sogar Gido Schimanskis Hauptrolle des Cliff Bradshaw , während Ruth Brauer als “Sally Bowles” auftrumpfen kann. Und auch Jan-Andreas Kemna als Nazi-Funktionär spielt seine Rolle des “Unsympathen” so gut, dass den Zuschauern mehrfach schmerzhaft der Weg der Machtübernahme durch die NSDAP Anfang der 30er Jahre vor Augen geführt wird.

Und auch die Blauäugigkeit der Deutschen nimmt Baumann aufs Korn. Sowohl die Fraktion der “...Nichts hören, nichts sehen, nichts gewusst haben....”-Generation bekommt ihr Fett weg wie auch die “gutmütig-naiven Deutschen”, nach deren Meinung auch diese braune, politische “Randerscheinung” von selbst wieder im Nichts verschwinden wird. Mit dem einfachen Rückgriff auf das Sprechtheater, das in dieser Proportionierung in einem Musical -eigentlich- unerwünscht ist, erzielt der Regisseur genau den Effekt, den das Thema von “Cabaret” aufrufen will: Betroffenheit!zt, es besitzt genügend Eigendynamik und ist nicht nur von anderen Produktionen abgekupfert.

Begleitet von einem starken Orchester können die Zuschauer das Wechselspiel zwischen der Illusion des Cabarets und den Alltagssorgen der Menschen mitverfolgen. Besonders im ersten Akt, der mit 90 Minuten allerdings etwas überproportioniert wurde, stellen sich mehrfach Beklemmung und Gänsehauteffekt  beim Betrachter ein. Leider wurde der zweite Akt diesbezüglich etwas vernachlässigt, aber das tut dem guten Gesamteindruck kaum Abbruch.

Unser Tip: Aufgrund des großen Erfolges mit auf Wochen im Voraus ausverkauftem Haus wurde “Cabaret” mittlerweile bis September verlängert. Daher sollten Sie sich bei Interesse an einem Besuch beeilen, sich noch Karten zu sichern. Vermeiden Sie aber die Anreise mit dem Auto oder lassen Sie ihren Wagen frühzeitig in einem Parkhaus der nahgelegenen Innenstadt, denn Parkplätze können Sie am Theater lange suchen.

Fazit: ”Cabaret” ist  ein Augen- und Ohrenschmaus für alle Musicalliebhaber. Der Widerspruch zwischen politischer Machtergreifung und kabarettistischer Unterhaltung, umrahmt von Einzelschicksalen, vereint sich zu einer Kompositin allererster Güte. Und die Moral von der Geschicht........

....“wende nur dein Antlitz nicht”!

Bewertung: 4 Sterne                     Mehr Informationen zu ”Cabaret” erhalten Sie HIER

 März/April “Miami Nights”

 Elvis lebt - Roy Fire bebt

Düsseldorf (ees): Das Capitol in Düsseldorf hat ein feines Näschen für Musical entwickelt. Denn nachdem im vergangenen Jahr mit “Chicago” bereits ein Riesenerfolg gelandet wurde, steht den Besuchern nun eine “heisse Nacht” in Miami bevor. Das Tanzspektakel begeistert dabei seine Zuschauer mit einer energiegeladenen, hochanspruchsvollen Choreographie, einer für diese Art Musical ungewöhnlich kreativen Handlung  und zahlreichen Chartstürmern der 80er Jahre. Auch wenn Tanzmusical in den letzten Monaten verstärkt in Deutschland produziert wurden: Von Übersättigung kann bei “Miami Nights”  keine Rede sein, dafür sind die Inszenierung und das Ensemble zu gut.  Allerdings sind kleinere Schwachpunkte nicht zu übersehen.

Wir haben es ja schon immer gewusst: Elvis lebt! Sein neuer Name lautet Fred Devine, sein Publikum sind die Besucher der “Miami Nights. Sein Kostüm, seine Brille und -pardon- sein Bauch haben sich seit 30 Jahren nicht verändert. “Elvis” Auftritt zu Beginn des 2. Akts ist nur eine der vielen Comedy-Acts, mit denen Regisseur Alex Balga die Zuschauer unterhält. Aber auch die vielen unterschiedlichen Charakterrollen wurden geschickt eingebaut, so dass die Handlung, anders als beim vergleichnbaren “Oh what a night” unterhaltend und abwechslungsreich zugleich ist. Besonders hervorzuheben sind dabei Karin Seyfried (Laura), deren Soli leider unter dem, anscheinend völlig überforderten, Toningenieur leiden mussten, sowie Sabine Schreittmiller (als  Jessica) und Paul Kribbe (Roy Fire).

Bei der Vorlage hat sich Autor Marcus Haseloff einiges einfallen lassen. Umrahmt vom Tanzwettbewerb “Miami Nights” werden   Rivalitäten zwischen  Tänzern (und Tänzerinnen!) ebenso dargestellt, wie eine nicht unproblematische  Liebesgeschichte oder Latino-Lebensart zu fesselnden Salsa-Klängen (warum  nicht mehr davon?). Da kann man auch verzeihen, dass Duran Durans “Wild Boys”  in einer Latino-Kneipe, vorgetragen vom “Latin-Lover” Emilio ,  etwas arg deplaziert wirkt. Dieser Sound hätte in einer späteren Szene  besser gepasst, stattdessen hätte ein heißer Tango, Salsa oder Lambada die Körpertemperatur der Zuschauer wohl noch weiter anheizen können. Doch es bleibt der einzige musikalische Fehlgriff, ansonsten beweist Heribert Feckler als Musikalischer Leiter ein feines Gespür. Besonders bemerkenswert: Jessicas “Holding Out For A Hero”, Fires “Hip To Be Square” sowie “I Wanna Dance With Somebody ”, vorgetragen vom “Flaschenchor” Laura, Gina und Mercedes.

Zum Inhalt: Um endlich einmal die 10.000 $ Prämie als Sieger des Tanzwettbewerbs “Miami Nights” zu gewinnen, scheut die schrille Tanzdiva Jessica keine Mühen. Erst räumt sie die Partnerin des Favoritenpaars aus dem Weg, um kurz danach an deren Stelle zu treten. Ihr eigentlicher Mitstreiter Jimmy , der ihre Mittel nicht billigen wollte, bleibt - zunächst - auf der Strecke. Begleitet von den amüsantesten und umtriebigsten Versuchen seiner Mutter und seines Managers, doch noch eine neue Partnerin für das Finalturnier aufzutreiben, lernt Jimmy dann die Kubanerin Laura kennen, die ihn nicht nur in die Welt der Salsa-Rythmen entführt. Trotz zahlreicher Intrigenversuche brauchen die beiden am Ende gar nicht mehr zum großen Finale anzutreten, denn sowohl Roy Fire (dessen Rolle im zweiten Akt sicherlich noch ausbaufähig wäre) als auch Jessica eliminieren sich mehr oder weniger selbst aus dem Wettbewerb. Wie das alles geschieht? Nun, davon sollten sie sich schon selbst überzeugen, denn “Miami Nights” ist gespickt mit kreativen, humorvollen und rührseligen Szenen, einem hochmotivierten Ensemble und erfolgreicher Chartmusik.

Apropos Musik: Eines fehlt der Inszenierung (noch). Der  Ohrwurm, den man noch zwei Stunden nach Vorstellungsende im Ohr hat, der im Theater zum Mitklatschen und Mitsingen animiert, die Besucher noch in der Szene von den Sitzen reisst. So wie “Peggy Sue” oder “Pretty Woman” bei “Buddy-Das Musical”, oder “Y.M.C.A.” bei “Oh what a night” oder auch “Come on Aylin” bei “What a feeling”. Wenn die Produzenten noch einen Gassenhauer solcher Qualität einbauen könnten, “ Miami Nights” würde sich auch über das Vorstellungsende hinaus bei den Besuchern einprägen.

Unser Tip: Der Vorteil des Capitol-Theaters besteht darin, dass auch von den hinteren Plätzen relativ gute Sichtverhältnisse bestehen. Dies insbesondere auch deshalb, weil die Preise am Wochenende, besonders Samstags, in den beiden ersten Preisklassen etwas hochgegriffen sind. Wer sparen muss, sollte  dies beachten.

Fazit: “Miami Nights” ist gut, aber  ausbaufähig. Die Stärken mehr betonen, den Tänzern noch etwas mehr Gelegenheit geben, ihre lateinamerianischen Tanzqualitäten auszuspielen, das könnte diese Inszenierung zu einem Renner werden lassen. Nichtsdestotrotz lohnt sich ein Besuch, denn die Gesamtkomposition gehört eindeutig zur Spitzengruppe der deutschen Tanzmusical.

Unsere Bewertung: 4 Sterne

Mehr Informationen zu Miami Nights finden Sie hier.

März Special “Les Miserables”

 New York, London und nun Detmold !

Les Miserables sorgt überall für volle Häuser

Detmold (ees/nsi): Detmold in einem Atemzug mit den Metropolen dieser Welt zu nennen, erscheint gewagt. Doch die Bretter, die die Welt bedeuten, kennen keine Grenzen. Und so präsentiert sich in der ”Bezirksregierungshauptstadt” mit seinen rund  74.000 Einwohnern nun mit ”Les Miserables” eine Inszenierung, die ihren weltweiten Erfolgszug im schmucken  Landestheater fortsetzt. Die Erwartungen vor der Premiere waren hoch, aber sie wurden nicht enttäuscht. Die  Besucher der Premiere hielt es am Ende nicht  auf den Sitzen. Stehende Ovationen als  logische Konsequenz für eine großartige Darbietung.

Im Saal fiel zuerst die offengelassene Bühne ,ohne große Aufbauten oder Spielereien, auf. An  beiden Seiten hingen Tüchersäulen mit den markanten Orten und Jahreszahlen, die dieses Stück beherrschen. Beeindruckend sind auch gleich in der ersten Szene die Kostüme (von Marlis Knoblauch), in denen sich die Städte London, Duisburg und Detmold zu einem einheitlichen Bild zusammenfügten. Angenehm war das schlichte, aber ausdrucksvolle Bühnenbild. Szenenwechsel vollzogen sich für den Zuschauer fast unbemerkt. Besonders der Szenenwechsel vom Garten der Rue Plumet zum Barrikadenkampf  verfehlte seine Wirkung auf die Zuschauer nicht. Ebensowenig wie die ausgefeilte Tontechnik. Das Orchester unter der emotionalen Leitung von Patrick Francis Chestnut bot eine sehr gute, konzentrierte Leistung.

Die Besetzung der Detmolder Inszenierung braucht keine Vergleiche mit den ”Großen” des Genres zu scheuen. Kristian Vetter (Jean Valjean) agierte als großer Mime . Von Detlef Leistenschneider  (Javert) wurde das Publikum magisch in den Bann gezogen, er überzeugte durch eine allgegenwärtige Bühnenpräsenz und, wie fast alle Darsteller, durch eine ausdrucksvolle Stimme. Sein Solo “Stern” war der Höhepunkt des Abends. Auch Fantine ( Claudia Wauschke) und Cosette (Lilian Marti) überzeugten die Besucher.  Ovationen auf offener Bühne gab es für den kleinen Straßenjungen Gavroche, der von Jonas Wehnekamp schlitzohrig und mit stimmig in Szene gesetzt wurde. Fast ”revolutionär” spielt Sascha Oskar Weis den “Enjolras” unterstützt von  “seinen” Studenten, wie überhaupt das gesamte Ensemble nach – anfänglicher Übersteuerung – einen starken Eindruck hinterließ. Szenenapplaus gab es für das Ehepaar Thenardiers ( Manfred Ohnoutka und Friederike Hans Meier), für ihre mimisch groteske, intonierende Darstellung

Das Bühnenbild ist schlicht, zeugt von Kreativität. Die Umsetzung zu “Dunkles Schweigen an den Tischen” wird durch transparente, weiße Laken einfach, aber effektiv unterstützt. Laken durchziehen  auch die nachfolgenden Szenen, z.B. als Tischtuch in der Hochzeitsszene oder im Epilog als Sargtuch. Originell auch die Liebesszene zwischen Marius und Cosette , die sehr an Romeo und Julia erinnert. Nebelscheue Zuschauer sollten die ersten Stuhlreihen meiden. Denn in der ”Kanalisation”  beeindruckt zwar die Akustik, der aufgewirbelte Rauch ist jedoch nichts für Asthmatiker.Der bewegende Epilog, in dem das Landestheater alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel und Personen auffuhr, bildete einen letzten Höhepunkt:

Unser Tip: Die Besetzung bei Les Mis ist aufgrund anderer Engagements sehr wechselhaft. Wir empfehlen Ihnen daher, auch Vorstellungen in anderen Theatern, die dem Landestheater Detmold angegleidert sind, zu besuchen. Sie haben dann mehr Auswahlmöglichkeiten bei der Cast. Detlef Leistenschneider z.B. spielt im April voraussichtlich nur zweimal den Javert. Fragen Sie im Theater nach den Besetzungen oder speziell nach ihrem Lieblingsschauspieler. Es lohnt sich.

Fazit: Der Intendant Ulf Reiher hat mit der Aufführung dieses Stückes sehr viel Mut bewiesen, aber der Erfolg gibt ihm recht! Es war ein gelungener Abend, bei dem auch die kleinen Unzulänglichkeiten niemanden ernsthaft vom Genuß abhalten konnten.

Bewertung: 4 Sterne                     Mehr Informationen zu Les Miserables erhalten Sie HIER

 

Special “What a feeling”

 Come on, Aylin

Neuinszenierung des Comedy Musicals in Bonn ein Riesenerfolg

Bonn (ees): Leckerbissen für alle Freunde des Comedy-Musicals. Im Bonner Contra-Kreis Theater vergnügen sich seit dem 17. Januar allabendlich die Zuschauer an zahlreichen Ohrwürmern der 70er und 80er Jahre. Mit viel Geschick und einem erstklassigen Ensemble haben Wolfgang Adenberg und Stephan Ohm zusammen mit Horst Johanning eine Inszenierung ins Leben gerufen, die den Zuschauer bestens unterhält. Eigentlich ist es schade, dass “What a feeling” in dem kleinen Theater nur von 261 Besuchern gleichzeitig verfolgt werden kann. Aber gerade diese kleine, beengte Atmosphäre ist es, die den Charme des Stücks noch verstärkt.

Die Kelleratmosphäre passt zu dem Stück, dass  überwiegend in Alex` (Leon van Leeuwenberg) Garage spielt. Nachdem es den ehemaligen Bandleader nach beruflichen wie privaten Rückschlägen in seine Heimatstadt zurückgetrieben hat, versucht er mit Charme und einer gehörigen Portion Selbstironie, seine alte Band wieder zusammenzustellen. Doch das ist gar nicht so einfach, wie er bald feststellen muss. Denn Ex-Gitarrist Chris (Heiko Stang ) ist eigentlich nur hinter seiner Garage hinterher, auf der ein neues Kino entstehen soll. Sängerin und Ex-Freundin Aylin (Anne Mandrella) ist immer noch mit ”Nebenbuhlerin” Marion (Thea Schnering ) zerstritten, ebenso wie Bassist Olli (Dirk Harper) mit Drummer (und Cousin) Nelson. Natürlich gehört es sich für ein Comedy-Musical, dass Alex am Ende sein Ziel erreicht und obendrein wieder mit Aylin zusammenkommt. Doch auf dem Weg dorthin merkt man dem Ensemble den Spaß an der Aufführung an, der Funken springt auf das Publikum über. Humor, eine gehörige Portion Selbstironie, prickelnde Erotik (genießen sie Marions Fesselspiele mit Alex) sowie Mimen in Perfektion (Olli/Alex) ergeben ein ständig wechselnde Abfolge von Lacheffekten. Dazu gesellen sich erstklassige Stimmen (faszinierend: Aylin), die sogar die gelegentlichen Mikroprobleme übertünchen. Mit Ohrwürmern wie  Billy Joels “Piano Man”, Elton Johns “Crocodile Rock” oder Queens “Another one bites the dust ” haben die Autoren, immer passend zur Szenenabfolge, den perfekten Song zur Geschichte ausgewählt. Das alles fügt sich zu einem zweieinhalbstündigen Musical bester Unterhaltung zusammen, dass sich übrigens auch mitten zwischen den Zuschauern abspielt.

Unser Tip: Bonn besitzt wieder Unterhaltungswert. In einer Zeit, in der Stella Entertainment nach wie vor nichts besseres einfällt, als seine Musical rochieren zu lassen, muss man froh über Inszenierungen wie “What a feeling” sein, die auf  Phantasie und Darstellungskraft der Schauspieler setzen. Da das Stück befristet ist, sollten sie sich schnell eine der 261 Karten sichern, ehe es zu spät ist. Der Eingang des Theaters ist zwar nicht leicht zu finden, aber wenn sie erstmal drin sind, werden sie sich pudelwohl fühlen.

Fazit: “What a feeling” ist innovativ, kreativ, mitreißend und nimmt sich dabei mit einer gehörigen Portion Humor selbst auf die Schippe. Daher wäre es begrüßenswert, wenn das von Horst Johanning inszenierte Musical etwas länger gespielt würde oder sogar auf Tournee ginge. Allerdings dürften geeignete Theater schwer zu finden sein, denn diese Aufführung lebt auch von der Kelleratmosphäre. Vielleicht können ja auch die Norddeutschen bald mitsingen....

......come on Aylin.

Unsere Bewertung: 4 Sterne                                                             Für mehr Informationen klicken sie hier.

 

Februar “Anatevka”

 Tevje, so wird die Milch sauer!

Bremerhavener Inszenierung des Klassikers lässt Kreativität vermissen

Bremerhaven (ees): Schade Bremerhaven. Da hat man das altehrwürdige Stadttheater generalüberholt und versucht folgerichtig auch, auf den mächtig unter Dampf stehenden deutschen Musicalzug schnell noch aufzuspringen. Dazu verhelfen soll der Seestadt die Neuinszenierung des Klassikers “Anatevka” , in dessen Mittelpunkt der gutmütige Milchmann Tevje mit seiner Familie steht. Was von der Grundidee sicherlich nicht schlecht war, lässt allerdings in der Ausführung eines erkennen: Die Zeichen der (Musical-)Zeit hat man an der Wesermündung nicht erkannt. Denn die von Dirk Böhling in Szene gesetzte Aufführung ist alles andere als innovativ. Neue Ideen fehlen, dafür ist die Spielzeit mit zweieinhalb Stunden (plus Pause)  zu lang.

Kim Duddy hat vor kurzem bei “Hair” bewiesen, wie man einem betagten Musical neues Leben verleihen kann. Mit futuristischer Choreographie und einem Ensemble, dass die eigene Begeisterung auf die Zuschauer überträgt. Doch bei “Anatevka” ist von solchen “modernen” Ideen nichts zu spüren. Zwar sorgt der erste Akt dank der  humoristischen Kommentare von Tevje (Klaus Damm) und seiner Frau Golde (Christel Leuner) schon für Kurzweil im Publikum. Neue, untypische Ideen sind aber Fehlanzeige. Die Verantwortlichen hätten zum Beispiel gut daran getan, nicht wie üblich nur auf die Figur des Tevje zu setzen, sondern auch andere Rollen mehr zu betonen. Sowohl Georg Thauern als Mottel der Schneider, als auch Iris Wemme (Hodel) und Katarczyna Kuncio (Zeitel) hatten nur kurzzeitig Gelegenheit, ihr offensichtlich vorhandenes Potenzial anzudeuten. Und auch die Heiratsvermittlerin Jente hätte sich aufgrund ihrer “traditionellen” Wertvorstellungen durchaus als weiterer Reibungspunkt angeboten.

Auch wenn die “Tradition”  bei “Anatevka” wesentlicher Bestandteil des Stückes ist,so sollte man sie nicht zu sehr strapazieren. Richtig bewusst wird dies dem Zuschauer besonders im zweiten Akt, denn da fehlt dem Stück jegliche Spannung. Selbst das eigentliche emotionale Thema der Judenvertreibung wurde weder zum dramaturgischen noch zum musikalischen Knalleffekt genutzt. Statt dessen wird mit überzogener Theatralik und schwermütiger Fiedlermusik ein kaum zu ertragener Selbstmitleidseffekt ausgelöst.

Unser Tip: Wenn die Bremerhavener “Macher” Mut hätten, würden Sie diese Inszenierung schnellstens überarbeiten. Denn neue Besucher lassen sich vor allem durch Neugierde locken. Und die kann man nicht mit der 362 Auflage eines Musicals gewinnen, dass “eh schon jeder kennt”.

Fazit: Um mit Tevjes Lieblingsformulierung zu arbeiten: “EINERSEITS” geht von “Anatevka” immer noch ein gewisser Reiz aus, doch “ANDERERSEITS” sollte man sich vor dem Besuch genau überlegen, was man selber erwartet. Uns stachen jedenfalls  nur das Theater sowie die günstigen Preise positiv ins Auge. Für einen unterhaltsamen Abend .......

...... reicht das aber nicht!

Bewertung: 2 Sterne

Weitere Hinweise zu “Anatevka” finden Sie hier  

 

Januar: “Oh what a night”

 Operettenhaus wird zur Kult-Disco

Premiere von “Oh what a night” wird zum Ausflug in die 70er Jahre

Hamburg (ees): Hamburg wird seinem Ruf als Musicalhauptstadt Deutschlands immer mehr gerecht. Denn nach dem Disney-Klassiker “Der König der Löwen” sowie dem eher konservativen “Mozart” wurde nun mit “Oh what a night” auch noch das Bedürfnis der tanzwütigen Musicalfreunde befriedigt. Dabei hat Stella Entertainment mit einem fast ausschließlich amerikanisch besetzten Ensemble einen Glücksgriff getan. Denn während sowohl die Handlung als auch die Choreographie des Stücks über weite Strecken eher hausbacken und nebensächlich sind, riss die Kombination aus energiegeladenen Künstlern und den Discotheken-Charts der 70er Jahre das Auditorium mehrfach zu Beifallsstürmen hin. Seit dem Abgang von “Buddy Holly” hat Hamburg nun wieder ein - leider überteuertes- Musical, bei dem in den letzten 30 Minuten munter mitgetanzt werden kann.

Bei der Zusammenstellung des Ensembles hatte Regisseur Kim Gavin eine glückliche Hand. Denn neben Kid Creole, der allein schon aufgrund seines “coolen” Outfits fasziniert, spielen Künstler mit außergewöhnlich guten Stimmen. Allen voran Kevin Andrew als “Rik” und Tara Wilkinson als “Roxie Rochelle”. Da hat es die zweite Hauptdarstellerin, Lucy Moorby als “Nikki” schwer, mitzuhalten, zumal sie offensichtlich in der Maske etwas zu sehr auf “Jung” geschminkt wurde. Bemerkenswert aber auch die Nebenrollen, in denen Jodie Scott oder Julian Cannonier eine extreme Anziehungskraft ausstrahlen. Der absolute Renner von “Oh what a night” ist allerdings die Musik. Wer hat nicht in den 70er Jahren zu Ohrwürmern wie Y.M.C.A., Celebration, Sex Machine, D.i.s.c.o. oder I will survive die Hemden durchgeschwitzt. Gavin hat die Chartstürmer in einer eher lauen Handlung um die Besitzerstreitigkeiten einer New Yorker Discothek optimal plaziert. Auf die Zuschauer sprang der Funken jedenfalls reihenweise über. Ovationen heimsten dabei vor allem der Auftritt der “ Village People” (Kopie) mit ihrem legendären Y.M.C.A. am Ende des ersten Akts ein sowie die große Party zum Abschluss, die zu den Klängen von “Oh what a night” und “Celebration”. Ähnliches hat man in Hamburg zuletzt bei Buddy Holly, Ritchie Valens und dem “Big Bopper” miterlebt.

Unser Tip: Das Preis-Leistungsverhältnis für einen “Discobesuch” ist sehr hoch (z.B. PK 2 am Freitag 85 €) . Wenn Sie diese Party mitfeiern möchten, ordern Sie lieber PK 3 oder sogar 4, denn auch dort haben Sie bis auf wenige Ausnahmen gute Sicht und Platz zum mittanzen. Und wenn Sie es einrichten können, nutzen Sie lieber die Tage Dienstag bis Donnerstag. Wer allerdings im Anschluss einen Kiezbummel unternehmen möchte, wird wohl sowieso nicht aufs Geld schauen.

Fazit: Im Gegensatz zum Vorgängermusical “Fosse” blieben diesmal alle Zuschauer bis zum Schluss im Theater. Bei Stella sollte man sich überlegen, ob es wirklich weitsichtig war, “Oh what a night” nur bis zum 28.April 2002 anzusetzen. Seit langer Zeit dürfte man  mal wieder einen Volltreffer gelandet haben, denn......

...... auf dem Kiez ist Partytime

Bewertung: 3 Sterne

Weitere Hinweise zu “Oh what a night” finden Sie unter dem nebenstehendem Banner.

 

Dezember: “Der König der Löwen”

“Willkommen zum “Ewigen Kreis des Lebens”

Hamburg (ees): “Der König ist tot - es lebe der König” ! Wohl selten hat diese Beschreibung auf eine Musicalinszenierung so gut gepasst, wie auf den “König der Löwen”, der am 2.Dezember in Hamburg seine Deutschlandpremiere feierte. Nach Buddy Holly, dem “König des Rock´n Roll” beherrscht nun “Der König der Löwen” das neugestaltete Hamburger Elbtheater. Der Stage Holding ist mit Aufführung von Disneys Welterfolg nach “Elisabeth” der zweite Glücksgriff gelungen, was die Premiere eindrucksvoll unter Beweis stellte.

Es war ein grandioses Ereignis, dem die rund 1.800 Premierengäste mit tosenden Ovationen huldigten. Eingebettet in ein wunderschönes Bühnenbild mit tollen Licht-/ und Farbeffekten, betont durch eine Vielzahl phantasiereich gestalteter Kostüme und hervorgehoben durch die von Tim Rice und Elton John intonierte Musik, verzaubert das Multi-Kulti-Ensemble die Zuschauer für einen Abend in die Weiten der afrikanischen Steppe. “Der König der Löwen ” ist kein Musical im klassischen Sinne. Es ist ein typisches Disney-Märchen, eine fabel, der durch viel Phantasie Leben eingehaucht wird. “Der König der Löwen” zieht die Zuschauer nicht durch seine Dramaturgie in seinen Bann, sondern durch eine Reise ins Land der Träume, die aber gleichzeitig das wahre Leben wiederspiegelt. Und genau das gelingt der Inszenierung, die die Zuschauer selbst nach dem letzten Vorhang noch minutenlang weiter applaudieren ließ.

Dementsprechend orientiert sich die  Hamburger Version des derzeit erfolgreichsten Musicals der Welt weitgehend am gleichnamigen Film. Die Zuschauer begleiten das Löwenjunge Simba und seine Freundin Nala durch den Machtkampf, den sich Königsbruder Scar mit  Simbas Vater, Löwenkönig Mufasa liefert. Auf seinem langen Weg durch die afrikanische Steppe muss Simba viele Entbehrungen hinnehmen, bis er Nala wieder in die Arme schließen kann und es zum spannenden Endkampf kommt. Zwischen wem? Nun, davon sollte man sich schon selbst ein Bild machen.......

Das internationale Ensemble ist  dank der verbesserten Akustik gut zu verstehen. Gewöhnungsbedürftig sind die deutschen Versionen von Elton Johns “ Circle of life”  oder “Can you feel the love tonight”. Dafür faszinieren die  afrikanischen Rythmen, die durch die Live-Trommler  instrumentalisiert werden.  Gino Emnes (”Simba”) und Senhit Zadik Zadik (”Nala”) überzeugen ebenso wie ihre kindlichen Darsteller mit einer starken darstellerischen Leistung. Für  Lacher während der Aufführung sorgen die hervorragend besetzten Rollen des  Warzenschweins “Pumbaa” (Lakke Magnusson) , des Erdmännchens “Timon” (Oliver Grice) sowie der gefiederte “Hofberater Zazu” (Joachim Benoit). Zum Publikumsliebling scheint sich  Velephi Patricia Mnisi (“Rafiki”) zu entwickeln, die mit ihrer stimmgewaltigen und ausdrucksvollen Rolle bereits zu Beginn im “ewigen Kreis”, für Ovationen sorgte. 

Unser Tip: Der deutsche “König der Löwen” hat schon vor der Premiere über 125.000 Karten im Vorverkauf abgesetzt.. Da Sie, um in den vollen Genuss des tollen Bühnenbildes zu kommen, die äußeren Plätze (besonders im Parkett rechts), meiden sollten, planen Sie lieber langfristig ihren “Königsbesuch”. Wenn Sie bis zum Mai warten können, empfehlen wir ihnen das herrliche Elbpanorama des Hafentheaters, kombiniert mit einem Ausflug in die Weiten der afrikanischen Steppe.

Fazit: Der “König der Löwen ist eine gewagte, aber aus unserer Sicht vollauf gelunge Kombination aus wunderschönen Bildern und darauf abgestimmter Musik. Die dramaturgische Faszination anderer Musical mag dieser Inszenierung teilweise fehlen. Dies ist aber gewollt, denn der “Löwenkönig” ist nicht nur ein Musical für Junggebliebene, sondern für die ganze Familie. Also.....

.......dieses Musical muss man gesehen haben!!         (Jörg Beese) Bewertung:   5 Sterne                                                    

Für weitere Informationen zum “König der Löwen”  klicken Sie auf das Löwenbanner

 

November-Special: ”A tribute to Buddy”

”Buddy” wie zu besten Zeiten

Bremen (ees): ”Buddy - Das Musical” ist tot - es lebe ”Buddy”! So kurz und prägnant könnte man die ”A tribute to Buddy”-Tour bezeichnen, die seit dem 06.November durch Deutschland tourt. Marko Formanek, sechs Jahre DER ”Buddy Holly” des Hamburger Elbtheaters, hat sich zur Freude vieler Rockfans mit seinen Kollegen Jens Wrede, Helge Teschner, Uli Kringler und Fabian Schubert zusammengetan, um Charles Hardin Holly, wie Buddy bürgerlich hieß, nochmals einen bundesweiten Tribut zu zollen. Es wäre zu hoffen, dass es nicht die letzte Tour bleibt.

    Was die fünf Musiker rund zwei Stunden  non-stop auf die Bühne zaubern, zeugt von Freude und Spaß an der Musik. Egal, ob a´capella, instrumental, unplugged oder fetzig. Die Zuschauer waren aus dem Häuschen ob des Ihnen Dargebotenen. Es war   beeindruckend, als Buddy im letzten Drittel in seinem roten Sakko auf die Bühne kam. Da bedurfte es kaum mehr einer Aufforderung, sich von den Stühlen zu erheben. Zu den Klängen von ”Rave on”, ”Oh Boy” und natürlich Roy Orbisons  ”Pretty Women ” rockten die Zuschauer, mit stehenden Ovationen für die ”Ex-Buddy´s”, was das Zeug hielt. Formanek und Co . orientierten sich  schwerpunktmäßig an den Erfolgsstücken des Musicals. Doch auch unbekanntere Nummern von Buddy wurden gespielt, ebenso wie Eigenkreationen oder Kompositionen anderer Musiker, die Buddy Holly nahestanden.

Vielleicht werden sich einige fragen, was  ein Bericht über ein Konzert auf dieser Seite zu suchen hat. Sicher wird dieses ”Special” nicht in die Kategorie der zu bewerteten Musical einbezogen. Aber da es viele Tausende Musicalfans in Deutschland bedauern, dass ”Buddy” nicht mehr in Hamburg rockt, wollen wir seinem Darsteller hier die Möglichkeit der Würdigung bieten. Und die können die Fans des Rock´n Roll sicher am besten erweisen, wenn sie sich diesen Leckerbissen bis zum 6. Dezember nicht entgehen lassen.

Da wir ”Buddy” außer Konkurrenz bewerten, fassen wir uns kurz.....

 Wer nicht drin war, hat etwas verpasst!!

 

November : Premierenbericht “Chicago”

Jazzliebhaber dieser Welt , verneigt euch

Düsseldorf (ees): Kenner unserer Seite wissen, dass es schon eines besonderen Anlasses bedarf, um vor Ultimo hier publiziert zu werden. Dieser Anlass ist bei der Original Broadway Inszenierung von “Chicago” im Düsseldorfer Capitol-Theater gegeben. Denn die ursprünglich von Fred Ebb, Bob Fosse und John Kander ins Leben gerufene Aufführung fasziniert von der ersten bis zur letzten Minute. Wie formulierte es ein Besucher eindrucksvoll: “Wenn die Texte nicht Deutsch wären, ich würde glauben ich bin am Broadway”. Ein größeres Kompliment kann man diesem Klassiker wohl kaum machen.

”Chicago” besitzt eine Menge an Erfolgsgaranten. Da ist zu allererst die Besetzung. Mit einer fantastischen Ausstrahlung agiert da Anne Mandrella als Roxie Hart. Anna Montanaro steht ihr, vor allem im zweiten Akt, in nichts nach. Beide Schauspielerinnen glänzen sowohl solo als auch im Duett. Tänzerisch gibt es an ihren Leistungen überhaupt nichts auszusetzen und die Mimik ist (übrigens genauso wie die erotische Ausstrahlung), perfekt. Apropos Mimik: Wer kennt ihn nicht als Brad in der Rocky Horror Show. Leon van Leeuwenberg als Roxy´s Gatte Amos. Wohl keiner könnte diese Rolle besser verkörpern, die Zuschauer bogen sich förmlich vor Lachen, als Leon seinen “Mister Zellophan” zum Besten brachte. Nicht zuletzt dank seiner Ausstrahlung ist die Mischung aus Humor, Dramaturgie, Erotik, Tanz und Musik eine der absolut Besten, die das Jahr 2001 in Deutschland zu bieten hat. .

Die Handlung des Musicals ist schnell erzählt, vielen sicherlich schon bekannt. Im Prinzip geht es darum, mit welchen Mitteln man am besten einer Verurteilung zum Mord entgehen kann. Dabei wird das Rechtssystem der USA in den 20ér Jahren kräftig auf die Schippe genommen. Vor allem von Roxie Hart und Velma Kelly, die mit viel Phantasie und einem skrupellosen, selbstdarstellerischen Rechtsanwalt Billy Flynn (erstklassig gespielt von Nikolas Gerdell und Wolfgang Höltzel) alle Mittel ausnutzen, um dem drohenden Galgen zu entkommen.

Bei “Chicago” bestechen aber noch weitere Details. So das einfache, aber wirkungsvolle Bühnenbild , das unter Mithilfe des Ensembles blitzschnelle Szenenwechsel zulässt. Und eingebaut in dieses Bild sind die weiteren Hauptdarsteller dieses Musicals. Denn die Jazz-Musiker verstehen ihr Handwerk nicht nur, sie zelebrieren den Jazz dieser Epoche förmlich. Es juckt dem Besucher jedenfalls ständig in den Händen, einfach mitzuklatschen

Unser Tip: Wenn Sie als Ortsunkundiger zu “Chicago” wollen, lassen Sie sich nicht von der Lage des Theaters abschrecken. Wenn Sie das erstemal am Parkdeck vorbeigefahren sind, fahren Sie einfach einmal entspannt um den Block. Über den Frust des eventuellen Verfahrens tröstet sie das Musical nämlich mehr als hinweg.

Fazit: In der Kategorie der Rock-/Tanzmusical gehört "Chicago" zum besten, was Deutschland derzeit zu bieten hat. Daher ist es eigentlich bedauerlich, dass die Inszenierung bis zum 31.12.2002 befristet ist. Dieses Ensemble und dieses Musical haben es eigentlich verdient, bundesweite Popularität zu erlangen. Damit es noch oft heißen kann.....

....all that Jazz!!

Unsere Bewertung: 5 Sterne                                     Mehr Informationen zu “Chicago” finden Sie hier!

 

September/Oktober : Premierenbericht “Mozart”

Ein Genuss in “Mozart”

Hamburg (ees): Und noch eine grandiose Premiere in der Welt des Musicals. Eine Woche, nachdem Kim Duddy mit “Hair” die Bremer Musicalszene neu belebt hat, feierte “Mozart” in der Neuen Flora in Hamburg seine deutsche Erstaufführung. Die Geschichte des Konflikts zwischen dem kindlichen Genie Amade und dem jugendlichen Draufgänger Wolfgang wurde von den rund 1.700 Premierengästen mit minutenlangen, stehenden Ovationen, gewürdigt.

Einen gewaltigen Anteil am Erfolg der deutschen Erstaufführung hatten dabei die Hauptdarsteller. Allen voran der bislang in Norddeutschland nur Insidern bekannte Yngve Gasoy Romdal (Wolfgang) , dessen Darstellungskraft an die von Deutschlands Musical-Star Nummer Eins, Uwe Kröger, erinnert, ohne allerdings dessen Faszination zu erreichen. Romdal zur Seite stehen einige der besten Schauspieler der Branche . So Ethan Freeman als Mozarts Vater. Obwohl die Texte der Stimmqualität Freemans nicht unbedingt würdig sind, hat der "Ex-Dr.Jekyll" als egoistische Vaterfigur eine starke Rolle. Ebenso wie Maricel. Sie spielt die Mozart-Braut Constanze und sorgte ebenso für Beifallsstürme unter den Besuchern wie Angelika Milster in der Rolle der Baronin von Waldstätten. Vergessen wollen wir an dieser Stelle aber auch den energiegeladenen Felix Martin nicht, der den Fürsten Colloredo perfekt verköpert.

Regisseur Harry Kupfer hat die vom Erfolgsduo Sylvester Levay (Musik) und Michael Kunze (Buch) komponierte Geschichte, die  1999 in Wien uraufgeführt wurde, neu überarbeitet. Mit einer aufwendigen, aber optisch überschaubaren Bühnentechnik ist es Kupfer gelungen, den Zwiespalt in Mozarts Gebaren noch deutlicher hervorzuheben. So wird Wolfgang begleitet vom kleinen Amade, der auch für die klassischen Anteile der Geschichte verantwortlich zeichnet. Mit viel Geschick haben die Autoren den Lebenslauf von Mozart nachgestellt, über das Zerwürfnis mit der Stadt Salzburg und dem Fürsten Colloredo, die Trennung von seiner Familie, dem Tod seiner Elter und seiner Liaison mit Constanze. Und seinem Tod, nachdem er die Auseinandersetzung mit seinem eigenen Genie nicht mehr ertragen konnte.

Unser Tip: Wenn Sie in Hamburg sind, ist Mozart allemal ein Besuch wert. Kombinieren Sie ihren Besuch mit einem Abstecher an die Landungsbrücken, die S-Bahn hält direkt beim Theater. Oder machen Sie einen kleinen Bummel über die “rote Meile”, die Reeperbahn.

Fazit: In der Kategorie der klassischen Musical gehört "Mozart" zur Spitzengruppe. Zwar reicht es in der Faszination noch nicht an den "Deutschland-Primus Elisabeth" heran. Aber die Mischung aus Rock, Pop, Ballade und Klassik bietet zweifellos beste Unterhaltung. Schade nur, dass die Stella Entertainment die Gelegenheit verpasst hat, den immer noch unterkühlt wirkenden Foyerbereich in der Neuen Flora der Qualität ihres Musical anzupassen.

Unsere Bewertung: 4 Sterne

 

September/Oktober Special Premierenbericht “Hair”

Wenig Flower - Super Power

Bremen (ees): Wohl selten hat eine Musical-Premiere  unter ähnlich schwierigen Umständen stattgefunden, wie am 14. September “Hair” in Bremen. Drei Tage nach den Terroranschlägen in den USA hatte sich das Ensemble zusammen mit der Theaterleitung dazu durchgerungen, die Premiere nicht zu verschieben. Doch ob es, wie Theaterdirektor Rene Meyer-Brede erklärte, “keinen besseren zeitpunkt gab, dieses Stück zu spielen”, darf zumindest angezweifelt werden. Denn trotz einer tollen darstellerischen Leistung und einer überragenden Choreographie gelang es dem Ensemble nur schwer, den Funken auf das Premierenpublikum überspringen zu lassen. Wir haben uns allerdings entschlossen, in diesem Report nicht auf die tagesaktuellen Bezüge einzugehen, sondern werden Ihnen , wie Sie es gewohnt sind, detailliert und kritisch “Hair” vorstellen.

Die Bremer Produktion von “Hair” basiert auf der Wiener Inszenierung. Kim Duddy, bereits im Raimund -Theater für ihre erstklassige Choreographie gefeiert, hat auch in der Hansestadt die Zügel fest in der Hand. Und das ist wahrscheinlich das Faustpfand dieses Stücks. Denn das gesamte Ensemble sprüht vor Vitalität. Alle Tanznummern wirken flüssig, natürlich und sind vor allem mit Leben gefüllt. Dazu gesellen sich erstklassige Stimmen, nicht nur in den Hauptrollen. Allen voran eine tolle Peti van der Velde als Sheila und ein energiegebündelter Randy Scott als Berger. Doch auch Jeremy Cummings (Woof) und Juci Janoska (Dionne) sind ihr Geld mehr als Wert. Nur die etwas flache Stimme von Ralf Schaedler als Claude fällt da etwas aus der Rolle.

Die Handlung des Kult-Musicals der 60er Jahre ist bekannt. Eine Gruppe junger, unangepasster Amerikaner bringt ihre Unzufriedenheit mit dem System und ihren Wunsch nach Frieden und Freiheit in jeder Hinsicht zum Ausdruck. Drogenexzesse, Demonstrationen und die Verbrennung der Einberufungsbescheide untermauern ihren Aufstand. Der junge Claude zerbricht an seinem inneren Kampf zwischen Auflehnung und Hoffnungslosigkeit. Sein Schicksal, eingeleitet von einen perfekt inszenierten Drogentrip, beschließt ein Musical, das sicherlich nicht Jedermanns Geschmack trifft.

Und hier tritt ein mögliches Problem von “Hair” auf. Wer sich nicht mit dem Inhalt des Musicals anfreunden oder gar identifizieren kann, wird sich das Love and Rock Spektakel aus Neugier vielleicht einmal anschauen. Er wird aber  kaum ein zweites Mal den Weg nach Bremen finden. Aufgrund der Erfahrungen bei “Jekyll and Hyde” ist daher die Gefahr groß, dass sich das Zuschauerpotential für “Hair” schnell erschöpft. Für das starke Team wäre dies schade, aber die “Musicalprovinz Bremen” könnte mit einer Inszenierung für die breitere Masse des Publikums sicherlich eher aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt werden.

Unser Tip: Gerade für die trüben Herbst- und Winterabende ist “Hair” eine echte Alternative. Allen Ortsansässigen kann man einen Besuch innerhalb der Woche besonders empfehlen, denn die Eintrittspreise sind am Wochenende unverhältnismäßig hoch. Verbinden Sie die Aufführung mit einem Besuch der “Schlachte”, unmittelbar an der Weser, oder einem Bummel durch den Bremer Schnoor.

Fazit: Wer “Fosse” gesehen hat, sollte sich “Hair” nicht entgehen lassen. Wenn man sich nicht so sehr mit dem Thema beschäftigt, sondern sich an den dargestellten Leistungenen erfreut, wird sich der Besuch von “Hair” für Sie lohnen. Die Auffrischung eines eigentlich antiquierten Musicals ist Kim Duddy jedenfalls erstklassig gelungen.

Unsere Bewertung: 4 Sterne

Mehr Informationen zu “Hair”

Im September: “Tanz der Vampire”

Gelungene Satire der Nacht

Stuttgart (ees): Eigentlich ist es eine Schande! Da verfügt Stella Entertainment über ein Musical, das eine gelungene Kombination aus Humor, Dramaturgie und sogar ein bißchen Erotik darstellt. Doch um dorthin zu gelangen, muss der Besucher in den südwestlichsten Zipfel der Republik fahren. Doch der Aufwand, so die Meinung der Autoren, hat sich gelohnt. Denn wir erlebten einen Abend der besten Unterhaltung.

Die von niemandem geringerem als Roman Polanski in Szene gesetzte Story um den “liebeshungrigen” Graf von Krolock” (Kevin Tarte als starke Besetzung) ist keine fesselnde Aufführung wie z.B. “Elisabeth!”. Dafür verkörpert es die perfekte Mischung diverser Unterhaltungskriterien, die einen tollen Abend ergeben. Die gute Sicht sowie die, für Stella Verhältnisse außergewöhnlich gute Akustik runden den positiven Eindruck ab, den wir innerhalb des Theaters gewonnen haben.

Leider gibt es um das Theater herum ein paar kleine Details, die den sehr positiven Gesamteindruck etwas trüben. So die Lage im sogenannten Stuttgarter SI-Centrum. Wer als ortsunkundiger nach Stuttgart kommt, sollte sich genügend Karenzzeit mitbringen, in Hektik kann man sich dort nämlich schnell verlaufen und prompt den Beginn des Musicals verpassen.

 

      Und das wäre schade, denn die Vampir-Suche des Professor Ambrosius und seines Assistenten Alfred in den Bergen Transsylvaniens hat schon im 1.Akt viele Höhepunkte.So die vermeintliche “Romanze” zwischen Alfred und der jungen Sarah, hinter der auch “Obervampir” Krolock her ist. Wenn sie diese Szenen richtig genießen wollen, sollten sie sich übrigens Plätze zwischen Reihe 5 und 15 sichern, denn hier gibt es auch reichlich Augenschmaus zu genießen.

      Aber diese Inszenierung überzeugt auch durch ihre Stimmen.Kevin Tarte, Stefan Poslovski (Alfred)oder Barbara Köhler (Sarah) sorgen für einen hohen Gesangswert, der durch die zahlreichen Chorstimmen und Ensemble-Stücke noch zusätzlich hervorgehoben wird.

      Unser Tip: Machen Sie sich ein paar schöne Tage im Schwarzwald. Beschließen Sie diesen Trip mit einem Besuch bei den “Vampiren”. Keine Angst, von diesen “Blutsaugern” bekommt man keine Alpträume.

    Fazit: Wenn Sie nicht nur Dramen mögen, sondern auch Hand zur Ironie haben und einen tollen Unterhaltungsabend genießen wollen, fahren Sie beruhigt nach Stuttgart. Im Gegensatz zu “Cats” können Sie es sich beim Tanz der Vampire” so richtig gutgehen lassen. Denn es ist ein.......

    ....Musical, dass Spaß macht!!

    Unsere Bewertung: 5 Sterne

    Hier mehr Informatinen zum “Tanz der Vampire”

     

Im Juli: Premiere ”FOSSE - Die Show”

Tanzende Klasse, aber Szenen in Masse

Hamburg (ees): Eine vieldiskutierte Premiere im Hamburger Premierentheater Operettenhaus feierte am Freitag ” FOSSE – Die Show”. Mit der Broadway Tanz-Revue bewegt sich Stella Entertainment in ungewohntem Fahrwasser, denn die Hommage an die Broadwaylegende Bob Fosse  (1927 – 1987) ist, das zeigte die Premiere deutlich, zumindest für unsere Breiten gewöhnungsbedürftig. Entsprechend geteilt fielen die Meinungen der Premierengäste aus.

Die Inszenierung von Regisseur Richard Maltby jr. besticht vor allem durch hervorragende Tänzer , die der Show Leben verleihen. Auch die teilweise äußerst unorthodoxe und avantgardistische Choreographie , für die Fosse am Broadway berühmt wurde, verdient die Aufmerksamkeit und den Beifall der Zuschauer. Doch hier beginnt auch das Problem der Show. Denn ”FOSSE-Die Show” ist eine Aneinanderreihung von Tanznummern , gepaart mit Hits wie ”Big Spender” oder ”Razzle Dazzle”, aus diversen Fosse-Produktionen. Ob Stepp, Swing, Jazz oder Ballett, für Fosse” wurden allen Tanzarten kunterbunt miteinander kombiniert. Ein Leitfaden, der sich durch die Show zieht, fehlt allerdings. Und die Übergänge zwischen den Szenen sind in vielen Phasen extrem oberflächlich und für den Betrachter unzusammenhängend.

Darunter leidet besonders der erste Akt, in dem auch die teilweise stakkatoartig aufgemischte Musik die Längen nicht verbergen kann. Erst nach der Pause erwacht die Show zu mehr Leben. In den Ausschnitten aus ”Chicago” oder ”Cabaret” kombiniert das Ensemble eine gekonnte Mischung aus Humor, Erotik und sportlicher Höchstleistung.  Die körperliche und tänzerische Leistung der Darsteller in einem grandiosen Finale verdient daher auch höchste Anerkennung.

Unser Tip: Wenn Sie tanzbegeistert sind, wird sich ein Besuch bei ”Fosse” lohnen. Auch für Neugierige ist diese Show sicher nicht uninteressant. Wer aber eher dem Musical zugeneigt ist, sollte einen Bogen ums Operettenhaus machen, denn um eine Geschichte geht es hier nicht.

Fazit: Bei Stella ist man sich des Risikos dieser ungewöhnlichen Inszenierung offenbar bewusst. Denn ”FOSSE – Die Show” läuft nur bis zum 16. Dezember an der Reeperbahn. Am 11. Januar feiert mit ”Oh what a night” bereits das Nachfolge-Musical seine Premiere. Bis dahin darf man gespannt sein, wie das norddeutsche Publikum ”FOSSE-Die Show” annehmen wird.

Unsere Bewertung: 2 Sterne

Mehr Informationen zu ”FOSSE-Die Show” finden Sie hier.

 

Im Juni: ”Der Glöckner von Notre Dame”

Freud - Leid und die Glocken von Notre Dame

Berlin (ees): Wenn man sich eine Disney-Produktion anschaut, kann man eigentlich gar nicht enttäuscht werden. Das ist im Kino nicht anders als im Musical. Den besten Beweis dafür liefert die rührselige Geschichte um den ” Glöckner von Notre Dame” im Berliner Musicaltheater am Potsdamer Platz. Doch das Bemerkenswerteste an dieser Produktion ist das Bühnenbild. Mit wenig Technik, dafür mit viel Phantasie und Lichteffekten, werden dem Zuschauer immer wieder wunderschöne Projektionen vermittelt, die uns dieses Musical zu einem der besseren im Lande küren lassen.

Die Geschichte des entstellten Glöckners Quasimodo und der Zigeunerin Esmeralda gehört eigentlich in die Kategorie der Kitsch-Musical. Doch beim ”Glöckner” ist es den Produzenten gelungen, mit einer gelungenen Mischung aus Dramatik, Spannung, Humor und   Bildwechseln eine kurzweilige Unterhaltung anzubieten, die fesselt. Nahtlose Übergänge aus der Kathedrale auf den Glockenturm wechseln mit dramaturgischen Wechseln von Esmeraldas Flucht bis hin zu, man höre und staune, einer Parodie von Gilbert Becaud. Und das alles vor einem  Bühnenbild, das durch perfekte Computeranimation die düstere Kathedrale von Notre Dame zum Leben erweckt.

Das Theater am Potsdamer Platz gehört zu den modernsten in Deutschland. Ein großer Foyer-Bereich mit ausreichenden Ausschankflächen lässt auch in den Pausen keinerlei Hektik oder Platzprobleme erkennen. Die Architektur des Theaters ist natürlich der Umgebung angepasst, weniger der Produktion. Dies mag im ersten Moment vielleicht unpassend wirken, wohlfühlen kann man sich dort aber auf alle Fälle.

Unser Tip: Wenn Sie in Berlin sind, sollten Sie ihre Zeit ruhig zu einem Musicalbesuch nutzen.Das Angebot in der Hauptstadt ist zweifellos groß . Doch da ein Besuch am, immer noch nicht ganz fertig gestellten, Potsdamer Platz zum Pflichtprogramm gehört, nutzen sie beispielsweise den Samstag oder Sonntag Nachmittag für einen Besuch beim ”Glöckner”. Und unser Tip für das Essen hinterher: Nur 150 Meter vom Theater entfernt liegt das Maredo, dass sich für Essen jeglicher Art hervorragend eignet.

 Fazit: Der ”Glöckner von Notre Dame ” gehört ohne Zweifel zu den besten Produktionen der Stella Entertainment. Eine gelungene Produktion, die mit ihren Effekten und ihren Einlagen für leicht verdauliche Unterhaltung sorgt und dabei den Humor nicht vergisst. Genießen auch Sie den Blick aus dem Turm und lauschen Sie.....

......den Glocken von Notre Dame.

Unsere Bewertung: 5 Sterne

Mehr Informationen zum M usical finden sie hier.

Kult(ur) - Report ”Juni-Special”

.....Grease

John Travolta lässt schön grüßen

Berlin (ees): ”Uuups”, werden diejenigen sagen, die bereits die Tournee-Version von ”Grease” gesehen haben. ”Passt denn diese Milchmädchen-Produktion in diese Serie hinein”? Wir sagen ”Ja”, denn die Berliner Produktion, von Massine-Productions aufgelegt,hat mit der Tournee-Version kaum etwas gemein, ist eine völlig eigenständige Inszenierung. Und zwar eine de rbesseren Art, auch wenn dem einen oder anderen die Umstellung auf die englische Sprache anfangs schwerfallen dürfte (das ganze Stück spielt nämlich ins seiner Muttersprache).

Vielleicht ist ”Grease” für die Anhänger des gepflegt dramaturgischen Musicals ein wenig schrill. Vor allem die bewusst schrill gehaltenen ”Teenager-Szenen” sind auf Englisch arg gewöhnungsbedürftig. Doch die Produzenten haben es geschafft, hier eine gesunde Mischung aus Musik und Story, gepaart mit eindrucksvollen Tanzeinlagen, hinzubekommen. Man kann relativ problemlos den Faden der Geschichte wiederaufnehmen, wenn man zwischendurch mal etwas nicht verstanden hat.

Aber im Mittelpunkt von ”Grease” steht ohnehin die Aktion, sprich der Tanz und Gesang. Das coole Gehabe von Schülern der Grease-Lightning Highschool animiert immer wieder zum Schmunzeln, aber was ”Grease” auszeichnet, sind die fetzigen Rocknummern. Dabei besonders beeindruckend die Klassiker, wie z.B. ”Grease Lightning ” oder ”Your the one that I want”. Und da das Berliner Ensemble diese Rollen vorlebt, kommt der Erfolg der Inszenierung nicht von ungefähr.

Unser Tip: ”Grease wird ab dem 24.Juni wieder neu in Berlin aufgelegt.Wenn Sie sich einen schönen Tanzabend machen wollen, leiten Sie ihn ruhig mit einem Besuch im Schiller-Theater ein. Das ist die richtige Einstimmung für eine lange, durchzufeiernde Nacht. Und scheuen Sie sich nicht, auch mal etwas intensiver mitzuklatschen. Denn auch bei ”Grease” gilt, ähnlich wie bei ”Falco meets Amadeus” oder früher bei ”Buddy”: Ein zu steifes Publikum schadet dem Gesamteindruck.

Fazit: ”Grease” ist ein gelungenes, schwungvolles Tanzmusical, dass vor allem einem Zweck dient: Die Menschen in gute Laune zu versetzen und in Partystimmung zu bringen. Wer eine gesetztere Atmosphäre vorzieht, ist hier sicherlich fehl am Platze. Aber es führt sicherlich viele in ihre Jugendzeit zurück, als es Freitags abends hieß...

........it´s Partytime

Unsere Bewertung: 4 Sterne

Mehr Informationen zu ”Grease” in Berlin finden Sie unter www.kontaktiv.de/grease-berlin

 

Im Mai im Kult(ur)-Report: ”Starlight Express”

Rusty macht ordentlich Dampf

Bochum (ees): Es gibt Musical, die man getrost als Klassiker ihres Genres titulieren darf. Und die dennoch nicht in das weit verbreitete Klischee passen, Musical wären nur etwas für betagte Herrschaften, die ihre Sturm- und Drangzeit hinter sich haben. Der ”Starlight Express” in Bochum gehört sicherlich in diese Kategorie. Denn dieser Dauerbrenner besticht vor allem durch seine Rasanz. Die Geschichte steht dabei eher im Hintergrund.

    Schon beim Betreten des Theaters wird jedem Besucher klar, dass der ”Starlight Express” etwas anderes darstellt, als der konservative Gast möglicherweise erwartet. Eine dreistöckige Rennbahn, auf der die Darsteller munter durch die Publikumsreihen donnern, wirkt eben anders als der rote Vorhang. Doch der ”StarEx” ist eben ein Stimmungsmusical, dass Unterhaltung und Sport in einer gesunden Mischung miteinander verbindet. Da sollte man nicht die Maßstäbe anlegen, die man z.B. bei klassischen Musicals erwartet.

    So steht die Story beim ”Starlight Express” sicher nicht im Vordergrund. Die Geschichte eines Kindertraums, der von Traum einer alten Dampflokomotive erzählt, noch einmal ein Rennen gegen seine modernen Nachfolger zu gewinnen.

    Weder das ”Happy End” noch die Akustik im Theater werden Kenner von den Stühlen reißen. Dies werden eher Darsteller wie ”Diesel” in bestem Elvis-Verschnitt tun, oder Effekte wie bei Rusty´s Beschwörung des legendären ”Starlight Express”. Aber besonders die künstlerischen Leistung verdient höchsten Respekt, denn die sportlichen Anforderungen sind enorm. Dies mit der Stimme unter einen Hut zu bekommen, ist wirklich nicht gerade leicht.

    Weiterhin glänzt ”StarEx” mit herrlichen Kostümen unterschiedlichster Coleur und Epochen. Nicht so schön sind dagegen die vielen Dialekte der Schauspieler, die bei der nicht optimalen Akustik im Theater extrem gewöhnungsbedürftig sind. Dennoch bleibt festzuhalten, dass der ”Starlight Express” ein geeignetes Mittel scheint, auch junge Menschen für das Genre Musical zu begeistern.

Unser Tip: Das Ruhrgebiet bietet zahlreiche Attraktionen . Wenn Sie sich mit Mehreren einen schönen Musical-Abend machen wollen und verschiedene Geschmäcker haben, teilen sie sich auf. Nur 15 Minuten vom Starlight-Theater  entfernt ist das Essener Colosseum, in dem seit März ”Elisabeth” mit großem Erfolg läuft. Und falls sie in Bochum übernachten möchten: Neben dem Theater liegt das Novotel, schlicht und günstig.

Fazit: ”StarEx ist eine sportliche Inszenierung mit extrem belastbaren Darstellern. Wer mehr Wert auf Inhalt legt, sollte den ”Starlight Express” nicht zu hart beurteilen, denn...

....auch Stimmung muss  sein

Unsere Bewertung: 3 Sterne

mehr Informationen unter: www.stella.de

 

Kult(ur) - Report ”Mai-Special”

Auf Wunsch unserer Leser haben wir für Sie die Porträts zweier weiterer Produktionen in Angriff genommen. Mit ”Falco meets Amadeus” und der ”Rocky Horror Show” durften wir zwei Produktionen erleben, die mit wenig Aufwand, aber viel Phantasie das Publikum begeistern.

 

“Falco meets Amadeus”

Der beste Falco, den es je gab

Berlin/München (ees):Den Autoren dieses Beitrags lief beim Besuch von ”FMA” im Berliner Theater des Westens ein Schauer über den Rücken. Denn auf der Bühne hatten Sie gerade den wohl besten Falco aller Zeiten erlebt. Dabei waren beide im vorhinein sehr skeptisch dem Wunsch unserer Leser nachgekommen, auch dieses Musical einmal näher zu beurteilen. Obwohl beide zu Falcos Lebzeiten nicht gerade zu seinen Fans zählten: Diese Aufführung mit einem faszinierenden Axel Herrig in der Rolle des Falco hat sie schlichtweg begeistert..

    Es ist schon aufregend, wie Regisseur Elmar Ottenthal die Buchvorgaben von Burkhard Driest umgesetzt hat. Eine erfundene Geschichte, sicherlich. Doch immer wieder mit realen Episoden aus einem exzessiven Leben bestückt, untermalt von den grössten Erfolgen des Wiener”Sängerknaben”. Beeindruckend dabei, wie Joachim Schweizzer (als Amadeus) den Hauptdarsteller über die gesamte Aufführung hinweg begleitet, erst als eine Art ”interaktiver Schatten” zum Schluss dann sogar im Duett. Falcos grösste Erfolge wurden natürlich in das Stück eingepasst, besonders beeindruckend dabei ” Out of the dark” und der ”Sound of music”. Und natürlich ”Rock me Amadeus”, mit dem Ottenthal eine Schlussszene allererster Güte gelungen ist und bei der es niemanden im Saal mehr auf seinem Sitz hielt.

    Doch bei ”FMA” bestechen auch die anderen Darsteller. Glänzende Tanzdarbietungen, faszinierende Soloauftritte, z.B. von Martin Moss (Falcos Manager Johnny Zuweger) und immer wieder unerwartete Szenenwechsel lassen keine Gedanken an Langeweile aufkommen. Und beim Bühnenbild hat der Regisseur mit einfachen Mitteln sehr viel bewegt.

Unser Tip: Zur Zeit läuft ”FMA” in München. Über die weitere Tourstation Wien kommt es vom 13.10. - 31.12.01 zurück ans Theater des Westens. Nutzen Sie die Gelegenheit, wenn das Ensemble in ihrer Nähe gastiert, unbedingt zu einem Besuch. Und wenn Sie die Aufführung im Ambiente des Theater des Westens erleben möchten, sichern Sie sich frühzeitig ihre Karten. Nach dem Premierenerfolg dürften die Karten für die Herbstvorstellungen ziemlich schnell ausverkauft sein.

Fazit: Egal ob man Falco mochte oder nicht, dieses Musical ist eine gelungene Mischung aus Show, Phantasie, Musik und Tanz. Es wäre eine Schande, wenn eine solch gelungene Inszenierung nicht auch in weiteren Teilen der Republik aufgeführt würde.

Unsere Bewertung: 5 Sterne

Mehr Informationen unter: www.theater-des-westens.de

 

Die “Rocky Horror Show”

Let´s dance the Time Warp again”

Bremen (ees): Wenn einem Musical der Kultstatus schon vorauseilt, ist es nicht leicht für ein Ensemble, diesem Status auch gerecht zu werden. Doch was im Bremer Waldau-Theater unter der Bezeichnung ”Rocky Horror Show” blockweise den Zuschauern geboten wird, ist sogar noch besser geworden, als man erwarten durfte. Ein glänzend aufgelegtes Ensemble, dass sich speziell zu dieser Inszenierung zusammengefunden hat. Angeführt von einem erstklassigen Hans Neblung als Frank-N-Furter, der mit seinem lasziven Dialog mit den Zuschauern für Unterhaltung der ungewöhlichen Art sorgt.

    Zu der Geschichte um die verklemmt scheinenden Brad und Janet, die dem Transsylvanier Frank-N-Furter in die Hände fallen, gehört    das Publikum. Egal, ob Wasserpistolen oder Reiskörner , in diese Vorstellung kann wohl eines Tages  sogar noch die”Fielmann-Brille” eingebaut werden. Hauptsache, es passt und die Zuschauer (und Darsteller) haben ihren Spaß. Besonders das aktive Einbeziehen der Zuschauer hat ”Rocky” zum Kult werden lassen. Wer  beim Time Warp auf seinem Stuhl sitzen bleibt, ist Out. Wer am lautesten Uuhh rufen kann, der ist In. Und wenn die Zuschauer zu ruhig werden weckt Neblung sie wieder auf. Die Szene wird dann einfach nochmal gespielt.

    Das Bühnenbild der ”Rocky Horror Show” ist einfach gestrickt, doch das schadet der Aufführung wenig. Die Show lebt von der Leistung der Schauspieler, da stört auch die Coca-Cola Kühltruhe im Hintergrund niemanden. Entscheidend sind die ”Emotions”. Hier können Kinder miterleben, wie ihre Eltern nochmal so richtig ausflippen.

Unser Tip: Die Vorstellungen werden meisten in Fünf-Tagesblöcken angeboten. Neben den 20.00 Uhr Vorstellungen empfehlen wir aber besonders die Samstags Late-Night Show um 23.30 Uhr. Denn dort erleben sie zusätzliche Specials aus der englischen Originalversion, und zwar ohne Pause. Dabei ragt vor allem Brads Solo heraus.

Fazit: Die Rocky Horror Show ist Kult, aber die Bremer Inszenierung ist außergewöhnlich gut. Mit wenigen Mitteln, hauptsächlich auf die Klasse der Darsteller gestützt, animiert die Produktion zum Mitfiebern. Die Rocky Horror Show gehört sicherlich zu den kleineren Produktionen in Deutschland. Doch in Sachen Unterhaltungswert ist sie in die absolute Spitzengruppe einzuordnen. Eigentlich schade, dass die Produktion vertragllich auf den Standort Bremen fixiert ist, denn eine solche Aufführung hat eigentlich Tourneestatus verdient.

Unsere Bewertung: 4 Sterne

Mehr Informationen finden Sie unter: www.rockybremen.de

 

März/April EES-Aktuell: Premierenbericht”Elisabeth”

Der letzte Tanz gehört dem Tod

Essen (ees): Die Musical-Landschaft in Deutschland ist um eine Attraktion reicher. Mit einer packenden Mischung aus Musik, Handlung sowie Licht- und Bühnentechnik feierte”Elisabeth” eine begeisternde Premiere im prächtig restaurierten Essener”Colosseum”. Produzent Joop van den Ende räumt in dem von Michael Kunze und Sylvester Levay verfassten Musical um Österreichs schicksalhafte Kaiserin fast völlig mit dem”Sissy”- Mythos auf.

Mit stehenden Ovationen belohnten die Zuschauer eine moderne und geschichtsorientierte Aufführung, in der drei Darsteller aus einem perfekt harmonierenden Ensemble herausragten. So ist der spätere Attentäter Luigi Lucheni (Carsten Lepper) nicht nur  dramaturgischer Teil der Handlung, er führt auch durch die Historie des österreichischen Kaiserpaars. Pia Douwes glänzt sowohl mit ihrer Stimme, als auch mit der multicharakteren Darstellung der Elisabeth, die mit dem Sissy-Klischee früherer Jahre wenig gemein hat. Aber  die wohl  packenste Rolle spielt der”TOD” , der Elisabeth auf ihrer langen Reise begleitet. Uwe Kröger, derzeit wohl die Nummer Eins des deutschen Musical Genres, sorgt nicht nur mit ”Der letzte Tanz” für Schauer auf der Haut.

Doch man würde der Qualität des Musicals nicht gerecht, würde man sich nur auf die Hauptdarsteller konzentrieren. Denn das gesamte Ensemble glänzt mit den Interpretationen erstklassiger Kompositionen, sei es in der ”Kaffeehaus” - Szene oder dem ”Milchkannenchor”.

Joop van den Ende stellt Elisabeth nur zu Beginn so dar, wie wir sie aus dem TV kennen. Als lebensfrohes Mädchen, dass sich später der Ägide der Kaiserin Mutter beugen muss. Bereits zu dieser Zeit wird Elisabeth immer wieder vom TOD begleitet, der auch bei ihrer Hochzeit die Glocken läutet. Im weiteren Verlauf stellt der Produzent dann aber die egoistische Rolle der Kaiserin heraus, die letztlich ihren Sohn Rudolph im Stich lässt und ihn dadurch zum Selbstmord treibt.

”Elisabeth” glänzt mit herrlichen Kostümen ebenso wie mit faszienierender Licht- und Bühnentechnik. Eine erstklassige Akustik sorgt dafür, dass viele der markanten Musikstücke sofort im Gedächtnis hängenbleiben. Melodien wie ”Ich gehör nur mir” oder ”Die Schatten werden länger” wurden schon kurz nach Vorstellungsende von den  Premierengästen im Foyer nachgesungen. Die Resonanz war jedenfalls eindeutig: Mit”Elisabeth” hat der Produzent einen Volltreffer gelandet, der auch weitere Anreisen lohnt.

Unser Tip: Auch im Ruhrgebiet gibt es genügend Attraktionen. Verbinden Sie ihren ”Elisabeth”-Besuch mit einem Tag im Warner-Filmpark in Bottrop, einer Visite im Gruga-Park in Essen oder schauen Sie mal im Centro-Center in Oberhausen vorbei. Aber vor allem: Gönnen Sie sich einen prickelnden Abend im Colosseum.

Fazit: ”Elisabeth” ist eine packende Inszenierung mit großartigen Darstellern in einem erstklassigen Ambiente.  Auch wer von weiter her nach Essen reist, wird nach dem Besuch sagen können....

...es war ein faszinierender Abend

Unsere Bewertung: 5 Sterne

mehr Informationen unter: www.elisabeth-das-musical.de

 

Im März im Kult(ur)-Report: ”Das Phantom der Oper

Ein Klassiker nimmt Abschied

Hamburg (ees): Das Jahr 2001 meint es nicht gut mit den Musical-Klassikern in Deutschland. Denn nach ”Cats”, ”Buddy” sowie ”Jekyll and Hyde” wird auch ”Das Phantom der Oper” sein Domizil in der Neuen Flora in Hamburg verlassen müssen. Der Klassiker, der sich immerhin elf Jahre in Hamburg behaupten konnte, wird durch ”Mozart” ersetzt. Wie gut das neue Musical bei den Besuchern ankommt, wird man   sehen. Auf alle Fälle hat Stella Entertainment nun die Chance, durch bauliche Maßnahmen der Neuen Flora endlich den Charme einer Bahnhofshalle zu nehmen und eine zeitgerechte Atmosphäre für die Besucher zu schaffen.

Über sieben Millionen Zuschauer haben bislang die Geschichte des entstellten Ungeheuers in den Katakomben der Pariser Oper verfolgt. Und seinen Versuch, eine Tänzerin für sich zu gewinnen. Doch trotz aller Bemühungen gelingt  es dem ”Phantom” nicht, ”seine” Christine Daee` von ihrem Verehrer Raoul Vicomte de Chagny zu trennen, der sie schließlich aus der Unterwelt des maskierten Wahnsinnigen zurückführt in die Welt der Oper.  Es besteht kein Zweifel, dass das ”Phantom der Oper” zu den Klassikern seines Genres gehört. Doch irgendwann werden auch Klassiker von  der Gegenwart eingeholt. So muss die Frage  erlaubt sein, ob in der Zeit modernster Computeranimationen ein derart finsteres Bühnenbild noch zeitgemäß ist? Auch wenn es dem Charakter der Handlung entspricht,  so hätte man schon früher darüber nachdenken können, die Augen des Publikums ein wenig zu schonen. Doch über diese ”finstere” Thematik kann man aufgrund der starken darstellerischen Leistungen des Ensembles hinwegsehen.

Und auch die Gesangsleistungen, besonders der aktuellen Hauptrollen Ian Jon Bourg (Phantom) und Colby Thomas (Christine), sind durchaus beachtlich. Aber hier begegnet man auch einem Problem, nämlich dem des Theaters. Denn die Akustik in dem riesigen Theatersaal ist bescheiden, auf den hinteren Rängen versteht man viele Texte kaum.  ”Stella” wäre gut beraten, im Zuge der Umbaumaßnahmen für Mozart diesen Mangel zu beseitigen. Ebenso übrigens wie die kalkfarbene, ungemütliche Atmosphäre, die das Foyer der Neuen Flora auf Besucher ausstrahlt. Anstelle der Fliesen und des Betons sollte man es vielleicht einmal mit Teppich, warmen Farben und Wanddekorationen versuchen. Denn schlimmer als aktuell geht es hier nimmer!!

Unser Tip:Wenn Sie das ”Phantom” sehen möchten, sichern Sie sich einen Platz zwischen Reihe 6 und 20. Dort sieht man gut und versteht am meisten. Nutzen sie die Vorstellungen von Dienstag bis Donnerstag, denn an diesen Tagen ist auch das Preis-Leistungsverhältnis vertretbar.

Fazit: Das grösste Problem dieses Musicals ist seine Location. Ansonsten lohnt ein Besuchdurchaus, denn unterhalten wird man gut. Wer aber zuvor ”Jekyll and Hyde” gesehen hat, wird enttäuscht sein.

Unsere Bewertung: 4 Sterne

Mehr Informationen zum Musical unter www.musical.de

Im Februar im Kult(ur)-Report: ”Jek yll and Hyde

 Faszination der ”zwei Seelen”

Bremen (ees): Auch Musical-Fans sollten manchmal auf die Barrikaden gehen. Vor allem dann, wenn sie miterleben müssen, wie das derzeit wohl beste Musical Deutschlands abgesetzt werden soll, nur weil ein scheinbar völlig überfordertes Management nicht in der Lage ist, eine vernünftige, bundesweite Vermarktungs-Strategie zu erstellen. Am 30.06.01 soll ”Jekyll and Hyde” zum letzten Mal im Bremer Musical-Theater aufgeführt werden, um danach in Wien neu aufgelegt zu werden. Allerdings sind nicht wenige Anhänger dieser phantastischen Inszenierung der Meinung, dass besser der Vorstand und nicht das Ensemble ausgetauscht werden sollten. Für den Musical-Standort Deutschland bedeutet dieser Weggang nämlich einen besonders herben Verlust.

600.000 Zuschauer sollen bis zum Sommer dem Kampf zwischen dem Laster und der Tugend beigewohnt haben. Eigentlich zu wenig, denn das von Autor Leslie Bricusse und Komponist Frank Wildhorn inszenierte Drama um den personifizierten Versuch, dass Gute vom Bösen zu separieren, besticht durch  mehr als nur den inhaltlichen Teil der Geschichte. Da ist zunächst eine optimale Location mit einem (fast) nagelneuen Musical-Theater, einer bestechenden Akustik (auch auf den ”billigen” Plätzen) und einer ausgewogenen, gemütlich anmutenden Gastronomie. Dann ein Bühnenbild, dass, unterstützt von hochmodernen optischen Effekten,  seinesgleichen sucht. Eine Geschichte, die das Publikum immer wieder durch  Dramaturgie, Leidenschaft,  Humor und sogar mit Erotik fasziniert. Und schließlich ist da ein glänzend aufgelegtes Ensemble, angeführt von Darius Merstein MacLeod (Jekyll/Hyde), Maricel (Lucy) und Michaela Kovarikova (Lisa), dass jeden Abend aufs Neue den Funken auf die Zuschauer überspringen lässt.

Die Geschichte des ”Dr. Jekyll”, der sich bei dem Versuch, dass Böse vom Guten im  Menschen zu isolieren, in das wahnsinnige und mordende Monster ”Hyde” verwandelt, dürfte  bekannt sein. Aber gerade die Darstellung dieses ewigen, inneren Kampfes bei gleichzeitiger Betonung der ”Opfer”-Rollen macht dieses Musical einzigartig.

Unser Tip: Ähnlich wie bei ”Buddy” dürften die letzten Wochen von ”Jekyll and Hyde” schnell ausverkauft sein. Sichern sie sich bereits jetzt ihre Karten. Wochentags können Sie viel Geld sparen.  Mittlerweile lohnt Bremen auch als Ziel für Tages- oder Wochenendausflügler. Besorgen Sie sich bei den Verkehrsämtern Informationen, zu welchen Terminen sich ein Bremen-Besuch besonders lohnt.

Fazit: Dieses Musical ist für jeden Kultur-Interessierten Pflicht. Es wäre zu hoffen, dass sich bald eine der beiden großen Musical-Produktionsgesellschaften (Stella / Stage Holding) bereit findet, ”Jekyll and Hyde” schnellstens wieder nach Deutschland zurück zu holen, denn....

                             ...solche Musical braucht das Land...

Unsere Bewertung: 5 Sterne

Mehr Informationen zum Musical unter: www.jekyllhyde.de

Im Januar im Kult(ur)-Report: Buddy - Das Musical

Buddy rockt zum letzten Akt

Hamburg (ees): Ein herber Verlust für die Musicalgemeinde in Deutschland, aber besonders für die Freunde des Rock´n Roll. . Am 07.April standen Buddy Holly und die Crickets, Ritchie Valens oder ”the Big Bopper” zum letzten Mal auf der Bühne des Hamburger Elbtheaters. ”Buddy” musste dem ”König der Löwen” weichen, der ab Anfang Dezember neu an der Elbe aufgelegt wird.

Mehr als 2.500 mal wurde bis dahin die Geschichte des ”Revolutionär des Rock´n Roll” erzählt.  Die Geschichte eines texanischen Jungen, der sich 1956 mit drei Freunden und  einer Brille aufmacht,  einen Kindertraum in Noten zu realisieren. Vom schnellen Aufstieg an die Spitze der Charts, von der legendären Englandtour 1958. Und von den Schattenseiten, denn 1958 trennt sich Buddy Holly von den Crickets und seinem Manager, beginnt eine Solokarriere. Auf einer Tournee soll es im Februar 1959 zur Versöhnung kommen. Doch nach dem Konzert in Clear Lake stürzt ” Charles Hardin Holley” am 2. Februar 1959, zusammen mit seinen Freunden Ritchie Valens und ”The Big Bopper” J.P. Richardson, mit dem Flugzeug in einem Schneesturm ab. Alle Insassen kommen ums Leben.

Wer ”Buddy” noch nicht erlebt hat, hat etwas verpasst. Denn dieses Musical ging ins Blut. Wer sitzenblieb, war selber schuld. Spätestens, wenn ”The Big Bopper” Buddy´s letztes Konzert in Clear Lake Iowa mit seinem unnachahmlichen ”Chantilly  Lace” einläutete, riss es auch den letzten ”Stubenhocker” in die Höhe. Und wer glaubt, zwischen den engen Sitzreihen eines Theaters könne man nicht tanzen, sah sich oft genug eines Besseren belehrt

Unser Tip: Legt “Buddy” irgendwann wieder neu auf, denn die Fangemeinde ist groß.

Fazit: Es gibt wohl nur wenige Musical, die derart mit den Zuschauern spielen. ”Buddy” ist kein herkömmliches Musical. Wer in der Erwartung eines gemütlichen Theater-Abends die Geschichte von Buddy Holly´s – viel zu kurzer - Karriere verfolgen will, wird sich schnell eines besseren belehren lassen, denn....

...it´s time for Rock´n Roll....

Unsere Bewertung: 5 Sterne

 

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